Tatort - Heimatfront
 (2011) 

Erstsendung: 23. Januar 2011, 20:15 Uhr, ARD
Premiere: 21. Januar 2011, Max-Ophüls-Festival in Saarbrücken, CineStar 3, 22:30 Uhr, in der Reihe "Saarbrücker Premieren"

Einschaltquoten:
ARD - 8,58 Mio Zuschauer/22,4% Marktanteil (#1 an diesem Abend), Quelle: AGF/GfK ORF2 - 694 Tsd. /22% Marktanteil (#1 an diesem Abend), Quelle: GfK Austria

Tatort #789 - Heimatfront (AT: Rosa Nebel)

Drehbeginn für den nächsten Tatort ist voraussichtlich im April 2010. Maximilian Brückner in einem Interview mit Radio Charivari Rosenheim am 3. September 2009


Besetzung:
Maximilian Brückner - Kriminalhauptkommissar Franz Kappl
Gregor Weber - Kriminalhauptkommissar Stefan Deininger
Alice Hoffmann - Sekretärin Gerda Braun
Hartmut Volle - Chef der Spurensicherung Horst Jordan
Lale Yavas - Gerichtsmedizinerin Dr. Rhea Singh
Friedrich Mücke - Oberfeldwebel Philipp Weitershagen
Ludwig Trepte - Feldwebel Lars Leroux
Constantin von Jascheroff - Gefreiter Ingo Böcking
Martin Kiefer - Stabsgefreiter Hendrik Milbrandt
Julia Jäger - Psychologin Dr. Vera Bergmann
Robert Gwisdek - Markus Schwarz, Viktorias Freund
Torsten Michaelis - Oberst Claasen
Vanessa Jill Wichterich - Lena Leroux
Sophie Dolibois - Performance-Künstlerin Viktoria Schneider
Hans-Georg Körbel - Sicherheitsmann
Natalie Hanslik - Frau Weitershagen, Philipps Frau
Edda Petri - Frau Böcking, Ingos Mutter
Manuel Andrack - Kneipenwirt
Stab:
Regie: Jochen Alexander Freydank
Drehbuch: Christiane Hütter und Christian Heider, bearbeitet von Uwe Wilhelm
Kamera: Wolf Siegelmann
Maske: Aniko Kamchen, Antje Langner
Kostüme: Daniela Thomas
Ton: Boris Wolfrum
Szenenbild: Tom Hornig
Schnitt: Philipp Schmitt
Musik: Ingo Ludwig Frenzel, Lars Löhn
Redaktion: Christian Bauer
Produktionsfirma: ProSaar
Produzent: Martin Hofmann
Produktionsleiter: Andreas Wolfgang Berndt
Drehzeit: 07.04. - 04.05.2010
Drehorte: Saarbrücken, Marpingen, St. Ingbert, Göttelborn, St. Wendel
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Fahnungsplakat (Anklicken zum Vergrössern) und weitere Entwürfe für "Heimatfront" von Fabulous Companeros
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Branchentage - 31. Filmfestival Max Ophüls Preis, 18. bis 24. Januar 2010
Casting aktuelle SR-Spielfilmproduktionen am 21.01.2010, 14.00-18.00 Uhr, Ort: Camera Zwo
Im Rahmen der Branchentage sucht der Saarländische Rundfunk für eine aktuelle Spielfilmproduktion (der neue SR-Tatort) die Besetzung für zwei Rollen:
- MANN, 28, Bundeswehrsoldat, Oberfeldwebel, Sportskanone, ehrgeizig und narzisstisch; (einstiger) Frauenschwarm. Ist nach dem Afghanistan-Einsatz, bei dem ein Freund ums Leben kam stiller geworden. Er frisst viel in sich hinein, redet nicht mehr mit seiner Frau und lässt auch die anderen aus der Gruppe nicht in sich hineinschauen.
- seine FRAU, 26, landläufig attraktiv mit leichtem Sonnenstudioteint. Frau mit Lebensplanung: Job, Familie, Kinder. Sie versucht sich permanent ihrem Mann zu nähern und ihn zu verstehen, resigniert aber immer mehr, weil sie spürt, dass sie Philipp nicht mehr erreichen kann. Und sie ahnt immer mehr, dass Philipp ein dunkles Geheimnis hat.
In Zusammenarbeit mit der Agentur Being Cast wird ein öffentliches Casting für diese Rollen durchgeführt.
Quelle: Max-Ophüls-Filmfestival, 14.1.2010

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Der OSCAR-Gewinner Jochen Alexander Freydank wird für den Saarländischen Rundfunk beim nächsten Tatort Regie führen. Der 41jährige Berliner, der 2009 für seinen Kurzfilm "Spielzeugland“ den OSCAR erhielt, dreht damit seinen ersten Langfilm im Saarland.
SR-Intendant Fritz Raff sagte: "Wir sind seit langem mit Jochen Freydank in gutem Kontakt. Dieser Regisseur versteht es mit Präzision in der Bildsprache und einem eigenen Stil, Geschichten spannend und emotional zu erzählen. Ich freue mich, dass aus unseren guten Kontakten jetzt eine Zusammenarbeit wird.“
Regisseur Jochen A. Freydank erklärte: "Ich freue mich sehr einen Tatort zu drehen. Schließlich gehören Tatorte mit zum Besten, was das deutsche Fernsehen zu bieten hat. Für mich ist es ein faszinierendes Format, weil man dort spannende Unterhaltung mit relevanten Themen verbinden kann. Natürlich freue ich mich auch auf Gregor und Max. Das wird sicher Spaß machen.“
Der Geschäftsführer der Prosaar und SR-Tatort-Produzent Martin Hofmann sagte: "Es ist eine klassische Win-Win-Situation: einerseits wird der saarländische Tatort `geoscart´, andererseits erhält Jochen Freydank von SR und Prosaar die tolle Chance, mit einem der Premium-Produkte in seine Langfilm-Karriere einzusteigen.“
Tatort-Redakteur Christian Bauer freut sich ebenfalls auf die Zusammenarbeit: "Den Erstkontakt mit Jochen Freydank hatte Gregor Weber beim Ophüls-Festival 2008 hergestellt. Seit der Zeit stehen wir in ständigem Dialog und etwa seit einem dreiviertel Jahr arbeiten wir zusammen am Stoff. Es freut mich, dass wir den Film, der natürlich an das Niveau von `Hilflos´ anknüpfen soll, jetzt mit ihm umsetzen können.“
Der nächste Tatort des Saarländischen Rundfunks wird ab Anfang April im Saarland gedreht. Es geht um das Thema Respekt, die Geschichte ist angesiedelt zwischen Kasernen und dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte.
Selbstverständlich wird es - wie gewohnt - eine Pressekonferenz und Pressetermine am Set geben.
Quelle: Pressemitteilung Saarländischer Rundfunk (SR), 22.1.2010, 16:54

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Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank führt beim nächsten "Tatort" des Saarländischen Rundfunks (SR) Regie. Die Dreharbeiten starten Anfang April, wie der Sender am Freitag in Saarbrücken mitteilte. Das Thema Respekt stehe im Mittelpunkt. Die Geschichte sei zwischen Kasernen und dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte angesiedelt.
Im SR-Tatort aus der ARD-Krimireihe sind die Kommissare Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) im Einsatz.
Der Berliner Regisseur war im vergangenen Jahr mit einem Oscar für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" (mit Gregor Weber) ausgezeichnet worden. Der 14 Minuten lange Film mit Julia Jäger in der Hauptrolle erzählt, wie eine Mutter einen jüdischen Jungen vor der Deportation rettet.
na/ddp
Quelle: News AdHoc, 23.1.2010



"Der SR-Tatort ist jünger geworden" - Interview mit Jochen Freydank und Christian Bauer
Am 7. April beginnen die Dreharbeiten zum neuen SR-Tatort "Heimatfront". Redakteur Christian Bauer konnte diesmal den Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank für die Regie verpflichten, der mit seinem bewegenden Kurzfilm "Spielzeugland" schon die Juroren des Academy Award überzeugte. SR-online und SR-info trafen den Redakteur und den Regisseur im Vorfeld zum Interview.
- Herr Freydank, der SR-Tatort "Heimatfront" wird Ihr erster Langfilm (als Regisseur). Ist das eine besondere Herausforderung?
Jochen Freydank: Klar, der Tatort ist ein schönes Fernsehformat, große Fernsehunterhaltung die auch mit Anspruch aktuelle Themen behandelt. Das ist natürlich eine große Herausforderung, zumal ich selbst sehr gerne Tatorte sehe. Außerdem freue ich mich riesig auf die Arbeit mit Gregor und Maximilian [Gregor Weber und Maximilian Brückner als Kommissare Stefan Deininger und Maximilian Kappl; Anm. der Redaktion], die ich schon lange kenne. Mit Gregor Weber habe ich ja schon in Spielzeugland zusammengearbeitet.
- Sie haben letztes Jahr mit Ihrem Kurzfilm "Spielzeugland" den Oscar gewonnen. Wie kam es zur Zusammenarbeit mit dem Saarländischen Rundfunk?
Freydank: Dass wir einen Tatort zusammen machen werden, haben Christian Bauer und ich schon vor dem Oscar besprochen. Gregor Weber hatte während des Max Ophüls Festivals (2008) den Kontakt zwischen uns hergestellt. Ich habe mir dann gedacht, wenn das mit dem Oscar nicht klappt, ist es auf jeden Fall gut, den Tatort zu machen. Und wenn es klappt, ist es natürlich auch gut.
- Was hat Sie daran gereizt, im Saarland zu drehen?
Freydank: Ich war ja schon so um die 15 mal im Saarland, aber heute ist es das erste Mal, dass die Sonne scheint (lacht) - ich bin ja sonst nur während des Ophüls-Festivals im Januar hier. Ich habe hier schon viele tolle Locations gesehen, die sehr interessant sind.
- Herr Bauer, im Vorfeld war zu lesen, die Handlung von "Heimatfront" drehe sich um das Thema "Respekt". Können Sie uns mehr dazu erzählen?
Christian Bauer: Wie der Titel es schon andeutet, geht es in "Heimatfront" um vier Soldaten, die aus Afghanistan zurückkehren und um die Probleme, die sie haben, nach dem Erlebten in ihr früheres Leben zurück zu finden.
Freydank: Es geht darum, wie ihr Umfeld und die Gesellschaft diese Kriegsheimkehrer empfängt und sich ihnen gegenüber verhält.
- Der letzte SR-Tatort "Hilflos" war harte Kost für die Zuschauer. Es ging weniger humorvoll zu, als man das bei einem SR-Tatort erwartet. Wird das bei dem neuen Tatort so fortgesetzt?
Freydank: "Heimatfront" hat durch das vorgegebene Thema natürlich eine düsterere Stimmung, es ist schon ein "Männerfilm". Aber es wird auch viele sehr emotionale Momente geben. Ähnlich wie bei "Hilflos" werden wir die Rollen auch diesmal sehr jung besetzen, das war mir wichtig. Denn in der Realität sind die Jungs, die nach Afghanistan gehen zwischen 21 und 25 Jahre alt. Es stört mich, dass in den meisten Kriegsfilmen 35-Jährige zu sehen sind. Ich denke mir dann immer: "Die würden Euch doch da gar nicht mehr nehmen."
- Von wem stammt diesmal das Drehbuch?
Bauer: Das Drehbuch stammt diesmal von Christiane Hütter und Christian Heider. Bearbeitet wurde es von Uwe Wilhelm.
- Nach welchen Kriterien suchen Sie das Drehbuch aus?
Freydank: Das Thema gibt die Redaktion vor, in dem Fall Christian Bauer.
Bauer: Man hat ein Thema, das einen interessiert und gibt dann ein Buch in Auftrag. Das ist natürlich ein längerer Prozess.
- Herr Freydank, haben Sie gleich gedacht, "dieses Drehbuch will ich verfilmen"?
Freydank: Ja, das Thema hat mich sehr interessiert. Im Laufe der Buchentwicklung gab es zwar immer mal Momente, in denen ich dachte, das ist jetzt aber sehr weit weg von dem, was ich mir vorgestellt habe, aber jetzt, kann ich sagen, bin ich mit dem Resultat sehr zufrieden und ich freue mich wirklich auf die Arbeit.
- Kann man schon etwas zu der Besetzung von "Heimatfront" sagen?
Freydank: Nicht wirklich, das Casting läuft noch und es sind noch nicht alle Rollen unter Dach und Fach. Was ich aber schon sagen kann ist, dass Julia Jäger mitspielen wird. Sie spielte auch schon die Hauptrolle in "Spielzeugland", und ich bin sehr glücklich, dass wir sie für "Heimatfront" besetzen konnten. Es werden auch auf jeden Fall drei Rollen mit Schauspielern aus der Region besetzt.
- Herr Bauer, nach "Hilflos" ist dies Ihr zweiter SR-Tatort. Wie werden sich das Format und die Figuren in Zukunft entwickeln?
Bauer: Mein Ziel ist es, dass sich der SR-Tatort verstärkt mit Themen auseinandersetzt, die auch gesellschaftspolitische Relevanz haben. Mich interessiert nicht die Millionärsgattin, die aus Eifersucht ihren Mann ermordet. Die gibt es in der Realität ja auch nicht wirklich so häufig. Aber Schul-Mobbing findet statt. Das ist ein Thema, das für viele Menschen relevant ist - genauso wie die Einsätze der Bundeswehr im Ausland und ihre Folgen.
Außerdem ist der SR-Tatort jünger geworden, sowohl von den Themen, als auch von den Protagonisten. Wir wollen ja auch die jüngeren Zuschauer im Ersten ansprechen. Außerdem arbeiten wir ja in enger Kooperation mit dem Max Ophüls Film-Festival und möchten dem deutschen Film-Nachwuchs eine Plattform bieten.

- Und wie wir es mit dem Ermittler-Duo Deininger - Kappl weitergehen?
Christian Bauer: Das Verhältnis der beiden ist durchaus entwicklungsfähig - sagen wir es mal so, sie sind auf einem guten Weg.
- Herr Freydank, Herr Bauer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führten Cathy Huyer und Eva Röder
Quelle: SR-online, 24.3.2010


Drehstart für neuen SR-Tatort
"Heimatfront" heißt der neue SR-Tatort, der ab Donnerstag, 8. April, im Saarland gedreht wird. Regie führt diesmal Oscar-Gewinner Jochen Alexander Freydank, der damit auch sein Langfilm-Debüt gibt.
"Heimatfront" erzählt die Geschichte von vier Soldaten, die aus Afghanistan zurückkehren und die Probleme haben, nach dem Erlebten in ihr früheres Leben zurück zu finden. Dabei spielt auch eine Rolle, wie die Gesellschaft diese Kriegsheimkehrer empfängt und sich ihnen gegenüber verhält.
Das Drehbuch für "Heimatfront" stammt von Christiane Hütter und Christian Heider, die damit ebenfalls beide ihr Tatort-Debüt feiern. Bearbeitet wurde das Buch von Uwe Wilhelm. Der Tatort des Saarländischen Rundfunks bleibt damit bei seiner Devise, jungen Autorenteams eine Chance zu geben.
Junges Thema und junges Team
Auch beim Thema und Darstellern setzt der SR-Tatort wieder auf "jung". Mit Friedrich Mücke (Münchner Volkstheater; Bayerischer Filmpreis 2010 - Bester Nachwuchsschauspieler), Constantin von Jascheroff, Ludwig Trepte (Max-Ophüls-Preisträger 2006), Martin Kiefer und Robert Gwisdek wurden gleich fünf Rollen mit bekannten, jungen Darstellern besetzt, von denen die meisten auch dem Publikum des Filmfestivals Max-Ophüls-Preis bekannt sein dürften. Als Kommissare sind wieder Exil-Bayer Franz Kappl alias Maximilian Brückner und sein saarländischer Kollege Stefan Deininger (Gregor Weber) im Einsatz.
Auch Darsteller aus dem Saarland erhalten in "Heimatfront" wieder die Chance, sich einem bundesweiten Publikum zu zeigen. Die Besetzungsliste hierzu wird bald bekanntgegeben.
Der Tatort ist eine Produktion der ProSaar Medienproduktion (Produzent: Martin Hofmann) im Auftrag des Saarländischen Rundfunks (Redaktion Christian Bauer) und der Degeto für Das Erste. Die Ausstrahlung ist für Anfang 2011 vorgesehen.
Quelle: SR-online, 6.4.2010, 14:25 Uhr
Auch: SR dreht "Tatort" um Afghanistan-Rückkehrer, ddp ; Afghanistan-Rückkehrer im neuen "Tatort", dpa ; Bavaria Film


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Dreharbeiten auf dem Beckerturm in St. Ingert, 9. April 2010. Photo: Altenwald/Saarland-Lexikon

Neuer Saar-Tatort: Kriegsheimkehrer unter Mordverdacht
Heute Start der Dreharbeiten in Marpingen...
In Marpingen fällt heute die erste Klappe zum neuen Tatort des Saarländischen Rundfunks. In dem Krimi mit dem Titel "Heimatfront" geht es um vier junge Soldaten, die aus Afghanistan zurückkehren. Regie führt Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank aus Berlin.
Saarbrücken/Marpingen. Mit seinem ersten Kurzfilm "Glückliches Ende" war er auf dem Saarbrücker Max-Ophüls-Festival vertreten. Mit seinem vierten Kurzfilm "Spielzeugland" gewann er den Oscar. Jetzt inszeniert Jochen Alexander Freydank seinen ersten langen Spielfilm: den neuen SR-Tatort "Heimatfront". Am heutigen Donnerstag beginnen hierzu die Dreharbeiten in Marpingen, als weitere Stationen folgen Saarbrücken und St. Ingbert. "Heimatfront" erzählt von vier Soldaten, die aus Afghanistan zurückkehren.
Wieder in ihrer Heimat Deutschland angekommen, haben sie Probleme, in ihr früheres Leben zurück zu finden. Sie haben Schreckliches erlebt, "es spielt aber auch eine Rolle, wie die Gesellschaft diese Kriegsheimkehrer empfängt und sich ihnen gegenüber verhält", erklärt SR-Tatort-Redakteur Christian Bauer. Als im Umfeld der Soldaten ein Mord passiert, ruft das die Saarbrücker Kommissare Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) auf den Plan. Alle vier Kriegsheimkehrer gehören zu den Verdächtigen in diesem Mordfall.
Moderator Manuel Andrack spielt einen Kneipenwirt
Kappl und Deininger bekommen ab diesem Tatort übrigens einen "kleinen Rückzugsraum", so Christian Bauer. Sie treffen sich ab und an in einer kleinen Kneipe - und der Wirt wird von Manuel Andrack gespielt. Der Redakteur, Autor und Moderator ("Ich werde Saarländer") bekommt damit eine bleibende kleine Rolle im SR-Tatort-Team. Drehort ist die "Alte Bierstube" in der Martin-Luther-Straße in Saarbrücken.
Quelle: sol.de, Thomas Reinhardt, 7.4.2010

Maxi über die Arbeit mit Jochen Alexander Freydank:
"Wir sind schon viel zusammen gesessen und haben ganz viel mit dem Buch auch gearbeitet, und das hat wahnsinning Spaß gemacht, und ich freu mich einfach richtig auf die Arbeit mit ihm."
Screencaps aus, und alle Interviews in
SR - Aktueller Bericht vom 7.4.10 (ab 00.30 min)

Performance-Künstlerin wird am Samstag ermordet
Gestern war der erste Drehtag für den neuen SR-Tatort in Marpingen
Seit gestern wird der neue SR-Tatort gedreht. Arbeitstitel: "Heimatfront". Der erste Drehtag führte die Filmcrew um das Ermittler-Duo Kappl und Deininger nach Marpingen.
Marpingen. Das hat nichts mit Glanz und Glamour zu tun, das ist harte Arbeit - Handwerk eben. Seit dem frühen Morgen schon ist die Filmcrew des Saarländischen Rundfunks gestern in Marpingen. Drei große Lkw mit allerhand Technik drinnen, viele schwarze Klappstühle und ein kleiner Tisch mit Schnittchen stehen am Straßenrand. Etwa 35 Männer und Frauen vom Filmteam tummeln sich in der Straße "Zum Flugplatz", in Höhe des Sportplatzes regelt ein Mann mit schwarzem Pulli und Knopf im Ohr den Verkehr. Immer wieder ruft er: Achtung, wir drehen. Denn dann müssen alle still sein. Passanten, Schaulustige und auch die rund 15 Jungs und Mädels aus dem Kindergarten Marpingen, die sich mit ihrer stellvertretenden Leiterin Rosemarie Warken das Spektakel anschauen. "Wenn in Marpingen was los ist, dann müssen wir doch hier sein", sagt sie.

Gregor Weber, Martin Kiefer, Regisseur Jochen Alexander Freydank und Maximilian Brückner beim Proben. Photo: B & K
Und tatsächlich. Es wird wirklich was geboten. Auf dem Dach eines noch nicht fertigen Wohnhauses stehen jede Menge Baumaterialen, der Tontechniker sitzt dort, SR-Redakteur und Presse beobachten das Geschehen. Gerade bekommt Gregor Weber, der Kommissar Stefan Deininger spielt, einen Schlag ab. Aber kaum ist die Szene im Kasten, scherzt er schon wieder in Richtung der Zuschauer: "Ja, da kommt Ihr - wenn ich eins aufs Maul bekomme." Immer wieder lockert Weber das Geschehen auf, macht Scherze. Das ist auch SR-Redakteur Christian Bauer aufgefallen: "Er ist der Spaßvogel am Set."
Maximilian Brückner, der Kommissar Franz Kappl spielt, wirkt ernster. Hochkonzentriert. Gerade noch wartet er am Rande des Dachs - und schon muss er, die Pistole in der Hand, seinem Partner zu Hilfe eilen. Die Szene gemeinsam mit Jung-Schauspieler Martin Kiefer, der Bauer beim Öphuls-Festival aufgefallen war, wird immer wieder gedreht - aus verschiedenen Perspektiven. Und ab und zu mal mit variierendem Text. Die Anweisungen gibt Jochen A. Freydank, der für "Spielzeugland" den Kurzfilm-Oscar bekommen hat und jetzt seinen ersten Langfilm dreht.
Und immer wieder gibt es Zwangspausen. Da muss selbst Brückner lachen. Mal ist es ein Flugzeug, dessen Lärm den Dreh unmöglich macht. Dann ein Auto. Und plötzlich fliegt auch der Rettungshubschrauber über Marpingen. Trotz Hektik wirkt die Stimmung am Set locker und gut. "Das Klima stimmt", sagt Bauer und fügt hinzu: "Je mehr Drehtage hinter uns liegen, desto größer ist aber die Gefahr des Lagerkollers." 21 Drehtage sind für den Tatort vorgesehen, der rund 1,3 Millionen Euro kostet. Dabei ist nur dieser eine Drehtag in Marpingen geplant. Schließlich wird nicht chronoligisch gedreht. Ermordet wird in "Heimatfront" - Sendetermin ist im Januar 2011 - übrigens eine Performance-Künstlerin, das verrät Bauer: "Aber sie stirbt erst am Samstag."
Das Tatort-Team sucht als Komparsen noch eineiige Zwillige zwischen drei und fünf Jahren. Info: Tel. (01 63) 2 82 82 89.
Quelle: Saarbrücker Zeitung, Melanie Mai, 8.4.2010, 16:37
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Umfeld soll nicht heimelig sein

Noch nicht fertiges Wohnhaus in Marpingen diente als Drehort für den neuen Tatort
In einen Rohbau in Marpingen kehrte am Donnerstag Leben ein. Dort drehte die "Tatort"-Filmcrew. Das Haus gehört Bertram Quirin aus Marpingen. Er und seine Lebensgefährtin Joana Petridis verfolgten die Dreharbeiten.
Marpingen, Am Flugplatz 6. Das Haus ist unscheinbar, noch im Rohbau. Seit fünf Jahren wird dort gebaut, erzählt Inhaber Bertram Quirin. Nächstes Jahr will er einziehen. Doch schon jetzt hatte das halbfertige Haus seinen großen Auftritt. Das Team des Saarländischen Rundfunks drehte dort am Donnerstag seinen neuesten Tatort, der den Arbeitstitel "Heimatfront" trägt (wir berichteten). Es geht um Soldaten, die aus Afghanistan heimkehren. Und einer dieser Soldaten lebt in diesem Haus oberhalb des Marpinger Sportplatzes. Diesen Soldaten beschreibt der zuständige SR-Redakteur Christian Bauer als einen "seltsamen Typen". Und da passe dieses halbfertige Haus genau: "Sein Umfeld sollte nicht heimelig schön sein."
Den Ausstatter des SR hatte Patrick Stoll auf dieses Haus seines Bekannten aufmerksam gemacht. Für den SR arbeitet er als militärischer Berater. Auch die Luftlandebrigade in Saarlouis unterstützt das Filmteam. Wenn auch das Bundesverteidigungsministerium eine Drehgenehmigung in Saarlouis verweigert habe: "Das hat uns schon enttäuscht", sagt Bauer. Der Tatort vermittele wohl nicht die richtige Botschaft, vermutet Bauer. Schließlich geht es um Soldaten, die aus dem Einsatz zurück kommen und sich in ihrem alten Leben nicht mehr zurecht finden. So drehte das Team um Regisseur und Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank am Donnerstagnachmittag unter anderem eine Szene, in der ein Soldat, gespielt von Martin Kiefer, betrunken im Bett liegt. Die Möbel haben die Leute vom Film mitgebracht. Schließlich ist das Haus ja noch nicht bewohnt. "Sie haben die Wohnung komplett eingerichtet", erzählt Quirin. Jetzt ist er gespannt, wie sein Haus im Fernsehen rüberkommt: "Das ist schon spannend." Im Januar 2011 soll "Heimatfront" gesendet werden.
Dann ist das Thema wohl immer noch aktuell, denkt Bauer: "Geschichten von Bundeswehr-Heimkehrern werden uns bestimmt noch den ganzen Sommer beschäftigen." Und genau damit passe das Thema ins saarländische Tatort-Konzept. Bauer: "Wir wollen gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen, am Puls der Zeit sein." Und da sei so eine Geschichte von jungen Soldaten "spannender als mordende Juweliers-Gattinnen", wie es Bauer ausdrückt.
Von Mord war am Donnerstag noch nichts zu sehen - die Szene wird wohl erst an diesem Samstag gedreht. Für Quirin, der die Dreharbeiten lange beobachtete, war es trotzdem ein besonderer Tag. Schließlich ist er ein Tatort-Fan.
Quelle: Pfälzischer Merkur, Melanie Mai, 10.4.2010, 00:15

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So a scheene Leich ...
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Im Innovationspark im Beckerturm
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Click to enlarge Photos: Manuela Meyer/SR
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Friedrich Mücke, Ludwig Treptow, Martin Kiefer, Constantin von Jascheroff
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Photo: Alexander Eich 10.04.10. Verwendung mit freundlicher Genehmigung.
Eine schöne Leiche
"Heimatfront" heißt der neue SR-Tatort, der zur Zeit von der Pro-Saar Medienproduktion gedreht wird. Für zwei Drehtage machte das Filmteam auch Station auf dem Gelände der ehemaligen Brauerei Becker in St. Ingbert. Die Story handelt von vier Soldaten, die aus Afghanistan zurückkehren und in einen Mordfall verwickelt sind. Als Aufnahmeorte wurden der Beckerturm und die ehemalige Schwankhalle gewählt. Am Tatort, der sich in der Schwankhalle befindet, treffen die Film Kommissare Franz Kappl und Stefan Deininger auf eine Leiche, die von der Decke hängt.
Unter der Leiche standen mehrere Säulen im Raum, auf denen sich Blut in Behältnissen befand. Was es damit auf sich hat, müssen die Tatort Kommissare in der für Anfang 2011 vorgesehenen Ausstrahlung der Tatortfolge klären.
Quelle: St. Ingberter Nachrichten, Norbert Ramelli, 12.04.10

Julia Jäger spielt die Psychologin Dr. Bergmann in "Heimatfront", dem aktuellen Tatort des Saarländischen Rundfunks. Am 13. und 14. April drehte sie in der Landespolizeidirektion Saarbrücken, wo als Motiv eine psychologische Praxis zur Traumatherapie eingerichtet war. Dr. Bergmann arbeitet im Film mit jungen Soldaten, damit diese ihre Erlebnisse nach einem Afghanistan-Einsatz aufarbeiten können.
Quelle: SR Pressemitteilung, 15.4.10
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Damit Blut und Leiche echt aussehen
Wie Kommissare der saarländischen Polizei den SR bei "Tatort"-Produktionen beraten
Sie wissen wie Tatorte wirklich aussehen: Zwei Kommissare der saarländischen Polizei unterstützen den SR mit Tipps und Statistenrollen bei den Tatort-Produktionen. Der Krimi dankt es mit mehr Realitätsnähe.
Man kennt das aus etlichen Filmen: Die Kommissare kommen zum Tatort, wo eine Heerschar von Leuten von der Spurensicherung in weißen Overalls bereits fotografiert, pinselt und stöbert. Die Kommissare beugen sich über die Leiche, dann fragen sie einen meist skurril wirkenden Gerichtsmediziner nach dem Todeszeitpunkt - und der vertröstet sie auf morgen. Die Kommissare schütteln verzweifelt den Kopf, fragen, ob es nicht schneller gehe. - Kamera halt! Stopp!
"Das ist natürlich alles wenig realistisch", sagt Jürgen Böing. Der 49-Jährige ist Spurensicherer bei der saarländischen Polizei und berät zusammen mit seinem gleichaltrigen Kollegen Gerhard Vogelgesang den Saarländischen Rundfunk (SR) bei den Dreharbeiten von Tatort-Produktionen. "Das Obduktionsergebnis zur Bestimmung des Todeszeitpunkts halten sie auch am nächsten Tag noch nicht in den Händen", sagt Böing. "Außerdem", fügt Vogelgesang hinzu, "ist der Gerichtsmediziner nur dann am Tatort, wenn sich der ungefähre Todeszeitpunkt auch vor Ort bestimmen lässt. Sonst hat der Gerichtsmediziner am Tatort nix verloren." Auch würden am Tatort nicht Unmengen von Spurensicherern hin und her laufen. "Da ist es oft sehr ruhig und kaum Bewegung", weiß Vogelgesang aus Erfahrung. Aber die zwei echten Kommissare wissen natürlich: "Der Film soll ja vor allem unterhaltend und spannend sein."
Und dennoch: Die SR-Tatorte seien in den vergangenen Jahren deutlich realistischer geworden, findet das Ermittler-Duo. Auch weil das Drehbuch inzwischen vorab von der Polizei auf grobe Unstimmigkeiten durchgesehen werde. Begonnen habe das Bemühen um mehr Realität mit dem Abgang von Ex-Tatort-Kommissar Jochen Senf. "Der Senf hat am Tatort zum Beispiel nie Handschuhe zur Spurensicherung getragen, sowas hat den nicht gekümmert", erinnert sich Böing. Die aktuellen Tatort-Schauspieler Maximilian Brückner und Gregor Weber dagegen hätten sich von der Polizei eigens zeigen lassen, wie man mit einer Waffe umgeht - wie man sie zieht, wie man sie hält, wie man sie abfeuert. "Mit den beiden hat sich inzwischen so etwas wie ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut", sagt Vogelgesang.
"Oft werden wir auch gefragt, wie Blutspuren verlaufen müssen, damit es realistisch wirkt", erzählt er. In der vergangenen SR-Tatort-Folge "Hilflos", wo ein toter Schüler über den Boden geschleift worden sein sollte, habe er beispielsweise "die entsprechenden Blutspuren dafür dirigiert", sagt Vogelgesang. Für seinen Kollegen Böing wirkte die übel zugerichtete Schüler-Leiche derart realistisch geschminkt, dass es ihm wie ein Déjà-vu vorkam: "So etwas ähnliches habe ich in Bexbach gesehen, wo ein Toter 46 Messerstiche abbekommen hatte."
Dass die saarländische Polizei dem SR bei den Tatort-Dreharbeiten unentgeltlich und ehrenamtlich mit Rat und Tat zur Seite steht und sogar Requisiten wie Polizeiuniformen, Autos und schusssichere Westen zur Verfügung stellt, ist für ihren obersten Dienstherren, Innenminister Stefan Toscani, nichts anderes als "ein Zeichen der hohen beruflichen Identifikation unserer Polizei". In anderen Bundesländern seien es oftmals spezielle Ausstatterfirmen, die diese Aufgaben übernähmen, ergänzt Polizeisprecher Georg Himbert. Doch das Engagement insbesondere von Vogelgesang und Böing ist wohl auch nicht ganz uneigennützig: Immerhin gibt es am Set viel zu erleben. "Vor Jahren spielte Rosel Zech in einem SR-Tatort mit: beeindruckend", erinnert sich Böing. "Oder Sky Dumont", wirft Vogelgesang ein, "ein irrer Typ." Und als Statisten sind sie zudem selbst oft im Bild und zur Abwechslung mal an einem "Tatort", wo es keine echten Leichen und Tragödien gibt.
Quelle: Saarbrücker Zeitung, Johannes Schleuning, 19.4.10



Neuer Saarland-Tatort: Akribie an der Heimatfront
Göttelborn/Saarbrücken - Dürre, braune Grashalme recken sich hier und da empor. "Und bitte!", hallt es über das alte, brachliegende Grubengelände.
Die Männer gehen los. Der tiefschwarze Schotter unter ihren Füßen knirscht bei jedem Schritt. Plötzlich bleiben sie stehen. Ihre Stimmen raunen, Wortfetzen dringen durch. Es geht um Waffen, Schützen, den finalen Rettungsschuss. Dann ein kurzer Moment Stille. Eine Platzpatrone knallt. "Das machen wir nochmal", tönt eine Stimme.
Sie gehört Regisseur Jochen Alexander Freydank. Er dreht zur Zeit den neuen "Tatort" des Saarländischen Rundfunks (SR). Und in diesem geht's ans Eingemachte, wie Schauspieler Maximilian Brückner, im Film Kriminalhauptkommissar Franz Kappl, sagt. Der Fall geht seiner Figur, dem Bayer im Saarland, mächtig an die Nieren, und nicht nur dem. "Es ist echt richtig anstrengend", sagt Brückner in einer kurzen Umbaupause.
Sein Schauspielkollege Gregor Weber, alias Stefan Deininger, pflichtet ihm heftig nickend bei: "Es besteht die Gefahr, daß man als Schauspieler nach ein paar Jahren denkt: 'Ich weiß, wie das geht. Ich weiß, wie ich einen Kommissar zu spielen habe.'" Die "theoretische Gefahr der Routine", nennt Weber das. "So etwas aber passiert bei Jochen nicht. Das aber hat seinen Preis, strengt an, jeden Tag aufs Neue."
Freydank verlangt seinem Team viel ab. Er sei präzise, akribisch. Das sagen alle hier über den Regisseur, der 2009 für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" einen Oscar gewann. Wieder und wieder läßt er an diesem Mittag die selbe Szene spielen. Mal aus dieser, mal aus jener Perspektive. Viel Energie und Fantasie stecke er in diesen "Tatort", sagt er selbst. "Es ist nicht mein Ding zu sagen: Das sitze ich auf einer halben Backe ab."

Dreharbeiten zum neuen Tatort des Saarländischen Rundfunks. Photo: SR
Der Film bietet auch nicht den Stoff zum halbherzigen Herunterdrehen. Schon gar nicht jetzt. "Heimatfront", so der Arbeitstitel, handelt von vier Soldaten, die aus Afghanistan nach Deutschland zurückkehren. Sie sind traumatisiert, zerrüttet. "Meine Rolle, der Typ ist fertig, einfach am Ende", drückt es Schauspieler Constantin von Jascheroff aus. Er spielt neben Robert Gwisdek, Friedrich Mücke und Ludwig Trepte einen der vier Soldaten. Im Umfeld der Heimkehrer passiert ein Mord - und jeder der vier könnte der Täter sein.
Der Zufall hat es so gewollt, daß just in den Tagen, in denen die Crew durchs Saarland zieht und diesen Stoff dreht, der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr eine immense öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. Die Macher der SR-Tatorte seien zwar bemüht, aktuelle gesellschaftliche Themen aufzugreifen, anstatt von einer mordenden Juweliersgattin zu erzählen, sagt Redakteur Christian Bauer. "Dieses Mal aber mußten wir das Drehbuch während der Dreharbeiten noch einmal anpassen, weil wir von der Wirklichkeit fast überholt worden sind." Die Geschehnisse am Hindukusch in den vergangenen Wochen, die Kämpfe am Karfreitag, die Todesopfer, all das mußte nachträglich berücksichtigen werden.
Auf ihre Arbeit am Set habe die Präsenz des Themas keinen Einfluß, beteuern die Darsteller unisono. "Wir machen Kunst - zwar mit einem Realitätsanspruch, aber keine Dokumentation", sagt Friedrich Mücke. Und doch bleiben Gespräche über die deutschen Soldaten in Afghanistan, ihr Standing in der Gesellschaft und die Debatte über den Einsatz und das Wort Krieg nicht aus. Der Film soll aufmerksam machen, an das Schicksal und die Bürden der Heimkehrer erinnern. "Es ist ein Geschenk, wenn man so etwas machen darf, wenn man die Leute mit so einem Film wachrütteln kann", sagt von Jascheroff. Dafür soll alles passen. In der Ferne knallt die nächste Platzpatrone.
Quelle: dpa/N24, 25.4.10





Photos: Manuela Meyer/SR
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Torsten Michaelis, Maximilian Brückner, Gregor Weber
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Gregor Weber, Maximilian Brückner, Constantin von Jascheroff, Friedrich Mücke, Ludwig Trepte
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Martin Kiefer, Maximilian Brückner, Gregor Weber
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Kulturspiegel Praktikant Michael Kelber (Mitte) mit den Tatort-Kommissaren Kappl und Deininger. Photo: SR
Michael Kelber als Statist beim Tatort
5. Mai.  Seit vorgestern ist es Geschichte: ich habe in einem Tatort mitgespielt. Als Statist. Zwar hat mein Leben jetzt keinen neuen Sinn bekommen und auch meine Berufswahl bleibt unbeeinflusst - nein, ich möchte jetzt kein Schauspieler werden - doch interessant ist es alle Mal. Denn wer kriegt nicht wohlig-nostalgische Gefühle, wenn er das Intro des Tatorts mit diesen laufenden Beinen, dem Zielkreuz und der Spannung aufbauenden Musik sieht. Gerade meine Generation erinnert es an die Sonntage auf der Couch mit Mama und Papa. Erst jetzt, während meines Praktikums beim Kulturspiegel, bekam ich nun Gelegenheit dazu , mein Gesicht neben die der Tatort-Darsteller zu halten.
Wer an eben diese Gesichter des neuesten SR-Tatortes "Heimatfront", der dieser Tage gedreht wird, denkt, dem kommen natürlich zuerst Gedanken an die beiden Kommissare - Maximilian Brückner als Franz Kappl und Gregor Weber als Stefan Deininger.

Das ganze Abenteuer: Die Kultur-Blogger - aus dem Tagebuch der Kulturspiegel-Redaktion
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Barbara Pendorf zwischen den beiden Tatort-Kommissaren
Photos: SR
Barbara Pendorf hautnah beim Tatort-Dreh:
Schauspieler kennt man normalerweise nur aus dem Fernsehen, und wie es bei einem Filmdreh zugeht, weiß man als Laie auch nicht. Wer aber eine Komparsenrolle beim neuen SR-Tatort ergattert hat, ist hautnah dabei und bekommt so einiges mit.
Große Kameras, riesige Lampen, Puschelmikrofone, jede Menge Kabel und viele Leute, die herumwuseln. Das ist der erste Eindruck, den ich vom Film-Set habe, als ich zur ersten Komparsenrolle meines Lebens beim aktuellen Tatort-Dreh in Saarbrücken ankomme.
Es ist die letzte von vier Drehwochen für den neuen SR-Tatort "Heimatfront". Drehort ist mitten in der Stadt, in der Karcherstraße und ich bin als Komparsin angeheuert.

Das ganze Abenteuer: Mitten drin - statt nur dabei
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Die Komparsen vom 3. Mai: Michael Kelber hintere Reihe, 4. von links; Barbara Pendorf vordere Reihe knieend
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Patrick Stoll drillt die Komparsen - "Hilflos" hat die Latte hoch gelegt
Marpinger fungiert beim Tatort als militärischer Berater - Dreh in St. Wendel und Gregor Weber und Maximilian Brückner im SZ-Interview
Rund elf Jahre nach dem Abzug der französischen Garnison hat nicht die Bundeswehr die ehemalige Kaserne bezogen, sondern das SR-Tatort-Team. Der Vorschlag kam von Berater Patrick Stoll. Gestern war der letzte Drehtag für den neuen saarländischen Tatort "Heimatfront". Und die letzten beiden Drehtage führten die SR-Crew in die ehemalige Kaserne nach St. Wendel. Am Rande des Drehs unterhielt sich SZ-Redakteurin Melanie Mai kurz mit den beiden Hauptdarstellern Gregor Weber und Maximilian Brückner.

St. Wendel. "Links, zwo, drei, vier", ruft Patrick Stoll. Im Laufschritt begleitet er 18 Soldaten, die in Zweierreihen über das Pflaster der ehemaligen Tritschler-Kaserne in St. Wendel rennen. Rund elf Jahre nach dem Abzug der französischen Garnison hat nicht die Bundeswehr die Gebäude bezogen, sondern das SR-Tatort-Team hat dort am vergangenen Mittwoch gedreht. Der Arbeitstitel des Films lautet "Heimatfront" und soll Anfang 2011 in der ARD laufen. Da die Krimimacher keine Drehgenehmigung für eine Bundeswehrkaserne bekommen haben, mussten sie einen anderen Ort finden. Die Wahl ist auf die ehemalige Kaserne in St. Wendel gefallen.
Den Vorschlag dort zu drehen, hat Patrick Stoll gemacht. Der Alsweiler restauriert nicht nur historische Militärfahrzeuge, sondern er hat mit anderen die Firma "Military Film and Movie Service" gegründet. Das Unternehmen bietet Dienstleistungen für Filmemacher an, die einen Streifen mit militärischem Hintergrund drehen wollen. "Ich spezialisiere mich auf die Wehrmacht und die Bundeswehr", sagt Stoll. Da es beim jüngsten SR-Tatort um vier Bundeswehrsoldaten geht, die aus Afghanistan heimkehren und Probleme haben, in ihr altes Leben zurückzufinden, sind die Dienste von Stolls Firma gefragt gewesen. Auf dem Gelände der Tritschler-Kaserne stehen fünf ehemalige Bundeswehr-Fahrzeuge: zwei MAN-Laster, ein Kleintransporter, ein Mercedes-Zweitonner mit einem Maschinengewehr auf dem Dach sowie ein Mercedes Benz 250 GD Wolf. Auch wenn Stoll zurzeit ausschließlich Wehrmacht-Wagen besitzt, verfügt er über gute Kontakte in die Militaria-Szene. "Die Fahrzeuge habe ich in Frankreich und im Saarland organisiert", sagt Stoll.
"Herr Oberfeldwebel, machen Sie bitte die Schnürsenkel weg", ruft Stoll und zeigt auf die Stiefel von Robert Obermair. Lacher des Film-Teams schallen über das Gelände, während der Regie-Assistent die Schnürsenkel in die Knobelbecher fummelt. Warum tragen Obermair oder der zweite Regieassistent Philip Christen Uniformen? "Die wollen auch beim Tatort mitspielen", sagt Hubert Georg Flachhuber, der nach Statisten für den Tatort gesucht hat. Rund 40 Bundeswehr-Reservisten und verkleidete Zivilisten mimen den militärischen Alltag in einer Kaserne. Während die 18 Soldaten mit Stoll vorbeilaufen, gehen die SR-Kommissare Stefan Deininger (Gregor Weber) und Franz Kappl (Maximilian Brückner) an ihnen vorbei. Wenig später unterhalten sich die Polizisten mit einem Major, den Schauspieler Torsten Michaelis darstellt. Mehrere Male wird die Szene geprobt und wiederholt, bevor Regisseur Jochen Alexander Freydank mit den Aufnahmen zufrieden ist.
"Ein Teil der Statisten war bereits um sieben Uhr früh hier", erzählt Flachhuber. Soldaten-Darsteller hätten in Reih und Glied vor dem Wohnwagen der Maske gestanden, um sich darin die Haare auf "Bundeswehr-Länge" schneiden zu lassen. Der andere Teil der Statisten ist um 8.30 Uhr an den St. Wendeler Drehort gekommen. Vor den Aushilfsschauspielern liegt ein langer Tag. Laut Drehplan gehen die Filmaufnahmen bis 18.15 Uhr. Auch wenn über das Gelände der ehemaligen Kaserne ein kalter Wind weht und das Wiederholen der Szenen Ausdauer von den Film-Profis und -Amateuren verlangt, ist Patrick Stoll mit Eifer dabei. "Mir macht es Spaß", sagt der ehemalige Zeitsoldat. Bei der Bundeswehr war er unter anderem Ausbilder bei der Jägertruppe. Deshalb weiß er, welcher Ton auf dem Kasernenhof herrscht. Und als militärischer Berater des SR-Tatort-Krimis bringt er auch Zug in die Statistentruppe. Als ihm eine Begrüßung der Soldaten zu lasch war, schrie er noch lauter: "Guten Tag, Fallschirmjäger". Und die Statisten schmetterten zurück: "Guten Tag, Herr Major."

Ein paar Grad über Null, eisiger Wind und stundenlanges Drehen im Freien - steht das Filmteam an so einem Tag kurz vor einem Lagerkoller?
Maximilian Brückner: Warum Lagerkoller? Die Stimmung ist entspannt, es läuft super. Aber es liegen tatsächlich 20 harte Tage hinter uns.
Gregor Weber: Es zeichnet ein professionelles Team aus, auch mit Spannungen umgehen zu können. Wir arbeiten manchmal elf, zwölf Stunden am Tag. Dafür werden wir aber auch mit einem guten Ergebnis belohnt.
Wie hat sich der saarländische Tatort verändert, seitdem es das Kommissar-Duo Kappl/Deininger gibt?
Weber: Er ist natürlich besser geworden. (lacht)
Brückner: Der Tatort musste sich erst einmal einschaukeln. Es braucht Zeit, bis man weiß, welche Geschichte passt.
Weber: Bei einem kreativen Prozess muss man Geduld haben. Die Münchner Kollegen haben mir erzählt, dass sie auch erst ein paar Dinge ausprobieren mussten, bis sie zufrieden waren.
Brückner: Und unsere beiden ersten Fälle waren ja nicht unbedingt so toll. Aber unser jüngster Tatort, "Hilflos", hat die Latte sehr hoch gelegt - darunter läuft nichts mehr.
Haben Sie einen Lieblings-Tatort-Ermittlerteam?
Weber: Ich mag die Münchner und die Kölner. Wenn auch bei den Kölnern die Geschichten etwas nachlassen, so mag ich doch die Schauspieler.
Brückner: Dazu kann ich nichts sagen; ich kucke nicht viel fern. Lieber gehe ich ins Kino.
Was ist das Besondere am Saarbrücker Tatort?
Weber: Natürlich wir! Es gab bisher in jedem Tatort eine Szene, in der ich den Max schlagen darf. Auch das finde ich toll. Jetzt aber im Ernst. Ich denke, wir beide haben eine Spielweise, die sich stark unterscheidet von anderen Kommissaren.
Brückner: Ich denke, das Besondere ist die starke Realitätsnähe.
Sie wohnen beide in Bayern, jetzt sind Sie vier Wochen am Stück im Saarland, jetzt zwei Tage in St. Wendel. Bleibt Zeit, sich hier etwas anzuschauen?
Brückner: Ich mag das Saarland. Leider kommt man zu wenig zum Genießen. Ich gehe morgens aus dem Hotel und abends zurück. Aber abends auf dem St.-Johanner-Markt zu sitzen, das bedeudet für mich Genießen. Nur leider klappt das zu selten. Von St. Wendel habe ich außer diesem Kasernengelände gar nichts gesehen.
Weber: Ich weiß, wie schön St. Wendel ist. Aber heute habe ich nichts davon gesehen. Keine Zeit!
Quelle: Saarbrücker Zeitung, Heiner Micansky & Melanie Mai, 8.5.10

Weitere Photos auf 'Military Film and Movie Service'

Zitternde Komparsen an der "Heimatfront"
Click to enlarge Der nächste Tatort des Saarländischen Rundfunks mit dem Titel "Heimatfront" beschäftigt sich wieder mit einem brisanten gesellschaftspolitischen Thema: Diesmal geht es um die Bundeswehr und den Einsatz am Hindukusch. WIR war bei den Dreharbeiten am letzten Drehtag in St. Wendel dabei.
"Alles auf Anfang!", brüllt der hochgewachsene Mann in Militärtarnhose und Windjacke. 50 Männer und Frauen der Saarlandbrigade traben im leichten Dauerlauf vorbei, angetrieben von einem martialisch aussehenden Offizier mit Sonnenbrille.
Die Kommissare Stefan Deininger und Franz Kappl werfen sich skeptische Blicke zu. Zwei Bundeswehroffiziere laufen vorbei, grüßen einander zackig. Dann sind die beiden Polizisten auch schon außerhalb des Bildes. "Danke, aus", sagt Regisseur Jochen Freydank. "Danke, aus!", wiederholt der Regieassistent lautstark. Sein Kasernenhofton gleicht dem der angetretenen Reservistenoffiziere.
Dies sind die letzten Szenen, die für den neuen Tatort "Heimatfront" gedreht werden - mittlerweile der sechste mit dem bayerisch-saarländischen Ermittlerteam. Kulisse ist die heute leerstehende französische Kaserne in St. Wendel, die im Film vorgibt, eine Kaserne der Luftlandebrigade Saarland zu sein. Dieses Mal wird der Tatort noch gesellschaftskritischer: Zentrales Motiv ist der Respekt im Umgang mit den Bundeswehrsoldaten, die traumatisiert von ihrem Afghanistan-Einsatz heimkehren. Das Thema ist unangenehm, eine Filmcrew auf Militärgelände ebenso. Vielleicht hat die echte Saarlandbrigade deshalb den Dreh auf ihrem eigenen Grund und Boden verweigert.
Es ist so kalt an diesem Tag im hohen Norden des Saarlandes, dass manch ein Komparse und die Filmcrew Winterwäsche und Skijacken tragen. Dabei ist es schon Anfang Mai. Die meisten Komparsen, die gerade nicht gebraucht werden, haben sich mit einem heißen Kaffee eingedeckt oder die Hände tief in den Taschen vergraben. Für die nächste Szene muss umgebaut werden. Ein Fahrer parkt den Unimog um, weiße Qualmwolken aus dem Auspuff nebeln die Crew ein - der Ölfilter müsste mal gewechselt werden. Ein monströser vierachsiger Lastwagen kommt um die Ecke gefahren und parkt weiter hinten im Bild. "Lass die Räder schief stehen, das sieht gut aus", kommandiert der Regieassistent. Sein Chef Jochen Freydank beschäftigt sich derweil mit seinem Kameramann, erklärt die Einstellung, geht mit den Schauspielern durch, was er von ihnen sehen möchte.

Der Stille Regisseur
Unter seiner Schirmmütze blickt Freydank wie der Hochleistungssportler kurz vor dem siegentscheidenden Olympialauf. Er spricht wenig, und wenn, dann gibt er knappe Kommandos oder instruiert die Schauspieler, unterstützt von eindringlichen Gesten.
Christian Bauer, verantwortlicher SR-Redakteur für den Tatort seit zwei Jahren, zeigt sich mit dem Team solidarisch: Jeden Tag ist er am Drehort, auch wenn es lange dauert oder das Wetter so bescheiden ist wie heute. So werden die Wege zwischen ihm und dem Regisseur kurz gehalten, falls im Drehbuch noch etwas geändert werden müsste. Heute ist das jedoch nicht der Fall: Jochen Freydank, der 2009 für seinen Kurzspielfilm "Spielzeugland" den Oscar erhielt, weiß genau, was er will und wie das auszusehen hat. Bauer hat also Zeit, zwischendurch zu telefonieren - aber weit genug vom Dreh weg, damit sein Gespräch die Tonaufnahmen nicht stört.
In der nächsten Szene steht ein kurzes Gespräch zwischen den Tatort-Kommissaren und einem verdächtigen Major im Mittelpunkt. Echte Reservisten erklären den Komparsen, wie sie grüßen. Ein Dutzend Mal brüllen sie "Guten Morgen, Herr Major!" über den Platz, bis es sitzt. Der sonnenbebrillte Offizier richtet die Reihen aus: "Rückt zusammen! Wir drehen hier keinen Super-Acht-Film!", schnauzt er. Die Komparsen grinsen und gehorchen. Der Regieassistent rückt den Offizier wie eine Puppe hin und her, bis er richtig im Bild steht. Eine junge Dame mit weißer Kreide in der Rechten und der berühmten Filmklappe unterm Arm malt einen Punkt an die Stelle, wo er stehen soll.
In der Umbauphase drängen sich alle um die Thermoskannen mit Tee und Kaffee. Eine Ausstatterin hilft Brückner und Weber in den Drehpausen in dicke Jacken. Gregor Weber ist seit 2001 ("Du hast keine Chance") als Stefan Deininger mit dabei. Kollege Kappl alias Maximilian Brückner hatte seinen ersten Saarbrücker Fall 2006 ("Aus der Traum"). Als Kommissare rasseln sie gerne mal aneinader, privat sind sie gut befreundet. Vielleicht liegt das nicht zuletzt daran, dass Weber mittlerweile nach Bayern gezogen ist - seine Frau stammt von dort.

Schluss mit Lustig
Weber macht Witzchen, wie so oft, und äfft den Gleichschritt der Soldaten nach. Dabei kennt er im Gegensatz zu Maximilian Brückner diesen aus dem Effeff: Der gelernte Koch verbrachte seinen Wehrdienst bei der Marine und ist zugleich Reservist der Luftlandebrigade 26 - eben der Saarlandbrigade.
Doch jetzt ist Schluss mit Witzereißen, Freydank will weiterdrehen. "Schauspieler bitte!", ruft der Regieassistent. Doch, einen hat Weber noch: "Schauspieler, wo? Ich bin Polizeibeamter!" Aber er gehorcht eilig und stellt sich wieder brav neben Maximilian Brückner auf. Die kurze Raucherpause für den Kommissar aus Bayern ist vorüber, denn es heißt wieder "Alles auf Anfang, wir drehen! Ruhe bitte!"
Der starke, eiskalte Wind verweht das Gespräch zwischen dem Soldaten und den Ermittlern, doch der Tonmann wird das schon richten. Die Hebefiguren, die er mit der langstieligen Tonangel vollführt, erinnern an eine seltsame Mischung aus Gewichtheben und Aerobic.
Für diese Szene sind mehrere Kameraeinstellungen notwendig - zum Gegenschneiden, damit in das Gespräch zwischen dem Soldaten und den beiden Kommissaren auch optisch Bewegung kommt. Mehrmals muss Jochen Freydank unterbrechen, bis die Szene endlich sitzt. Kaum ruft der Regisseur "Bitte!", kehrt Ruhe ein. Die Schauspieler schlüpfen wieder in ihre Rollen. Maximilian Brückner guckt wieder genauso eindringlich wie nach der letzten Klappe. Und da ist auch schon wieder der Regieassistent: "Achtung, wir drehen! Alles auf Anfang!"

Kurzinterview
WIR: In "Heimatfront" geht es um Heimkehrer aus dem Hindukusch - wie stehen Sie zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr?
Gregor Weber: Nach dem 11. September konnten wir uns der Verantwortung nicht entziehen - und manchmal sind leider auch militärische Maßnahmen nötig, um eine Region zu stabilisieren. In diesem Tatort geht es jedoch besonders um den Umgang mit den Heimkehrern und deren psychologischer Betreuung. Das ist beides problematisch, die Kommunikation der Regierung mit der Öffentlichkeit war schlecht, das hat ja auch schon der damalige Generalinspekteur Kujat gesagt.
WIR: Kappl und Deininger sind bei ihrem ersten gemeinsamen "Tatort" heftig aneinandergerasselt - wie wird sich das Verhältnis weiter entwickeln?
Maximilian Brückner: Das jedenfalls wird sich nicht ändern. Die beiden sind richtige Sturköpfe und sind schon mal unterschiedlicher Meinung, wie ein Fall zu lösen ist. Aber wenn sie Druck von außen bekommen, dann stehen sie wie eine Mauer zusammen.
WIR: Der Tatort wird gesellschaftskritischer und jünger ...
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Photos: Schuff
Christian Bauer, SR-Redakteur:Beim letzten Tatort haben wir uns um Schüler-Mobbing gekümmert, dieses Mal geht es um Afghanistan. Das finde ich interessanter als der zigste Mord in Millionärskreisen. Und wir wollen auch in Zukunft jüngeren Autoren, Schauspielern und Regisseuren eine Chance geben - der Tatort ist zum Beispiel Jochen Freydanks erster Langfilm, und ich glaube, er wird ein Stück amerikanischer in der Bildsprache werden.
Quelle: WIR in Saarbrücken, Falk Enderle, Juni 2010
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Krieg ohne Frieden
Jochen Alexander Freydank gewann 2009 den Oscar für seinen Kurzfilm 'Spielzeugland'. Ernst ist auch sein 'Tatort'-Thema in der Folge 'Heimatfront'. Mit einer exzellenten Riege an Jungschauspielern bringt der Berliner in dieser Saarland-Episode den Problemstoff Kriegstraumata unverkrampft auf den Punkt.
Mit feinem Pinselschwung malt Freydank großflächige Bilder. Sein Mord: ein Kunstwerk.
Viktoria Schneider hängt im Engelsgewand von der Decke ihres Installationsraumes. Sie wurde mit einem Präzisionsschuss getötet. Für ihre Performance benutzte sie Aufzeichnungen vertraulicher Gespräche, die Bundeswehrsoldaten mit einer Psychologin führten. Ihren fürs Internet gedachten Anti-Kriegsfilm bezahlt die Kunststudentin mit ihrem Leben. Der Verdacht fällt auf die Soldaten, die bloßgestellt wurden. Doch bei den Rückkehrern aus Afghanistan herrscht eine starke Kameradschaft.
Mit diesem Zusammenhalt steht der Saarbrücker 'Tatort'.
Er hätte auch fallen können, doch Ludwig Trepte ('Sieben Tage Sonntag'), Constantin von Jascheroff ('Falscher Bekenner'), Martin Kiefer ('Freunde') und ihr Anführer Friedrich Mücke ('Friendship!') sind einfach zu gut. Jeder versucht, sich auf seine Art ins normale Leben zu integrieren. Die exzellente Riege an jungen Schauspielern interpretiert die Figuren sensibel und glaubwürdig. Als Gegenspieler agiert Robert Gwisdek ('Renn, wenn Du kannst') als zynischer Kriegsgegner und Kameramann der Performance.
Nur Kriminalhauptkommissar Franz Kappl (Maximilian Brückner) und sein Kollege Stefan Deininger (Gregor Weber) widmen sich den Ermittlungen zunächst in einem etwas stümperhaften Zickzacklauf, um sich dann mehr mit sich und ihrer Meinung zum Thema als mit ihrem Fall zu beschäftigen. Doch Oscargewinner Jochen Alexander Freydank gleicht das aus. Wann immer sich eine Lücke ergibt, nutzt der Regisseur übrige Zeit für kunstvoll inszenierte Bilder, die er souverän in seine Geschichte eingliedert, um dann wieder den Schauspielern Raum zu geben, den insbesondere Friedrich Mücke selbstbewusst, ja, im Kinoformat füllt.
Für Freydank, der als Do-it-yourself-Mann sonst immer ein Auge auf die Finanzen haben muss, war die Arbeit an diesem 'Tatort' ein Spaziergang, den er genossen hat. Der Autodidakt freute sich über die Möglichkeit, Umwege zu gehen, mit den Schauspielern warm zu werden, einfach Zeit zu haben. Dass der 43-jährige, gebürtige Ostberliner sich hier auf nur eine Aufgabe konzentrieren durfte, tat der Produktion mehr als gut.
Claudia Nitsche, teleschau der Mediendienst
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Vom Krippenspieler zum Tatort-Kommissar
Maximilian Brückner - er gilt als der Shooting-Star der deutschen Schauspiel-Szene. Mit Franz Kappl hat er dem Saar-Tatort ein neues Gesicht gegeben. Und das steht dem Krimi aus dem kleinen Bundesland richtig gut - da sind sich die meisten einig.
Dabei ist Brückner ein Schauspieler der ganz eigenen Art. Den "heimatverbundenen Rebell" hat ihn der Stern schon vor Jahren genannt. "Naja, wenn das einer so sehen will, kann er es so sehen", lacht Brückner. Sein Lachen ist authentisch, sympathisch. Der Mann verstellt sich nicht. Ganz Unrecht hat der Stern nicht gehabt. "Heimatverbunden" ist der Bayer tatsächlich. Das bringt er auch in seine Rolle als Hauptkommissar ein. Als Kappl im ersten Saar-Tatort abends allein in seiner neuen Wohnung saß, die neue Einsamkeit ihn überkam, da griff er zu seiner Tuba. Die spielt Brückner auch - macht daraus kein Geheimnis. Auch nicht daraus, dass er sich in seiner Heimatgemeinde Riedering als Gemeinderat engagiert hat.
Doch so einsam, wie sich Kappl bei seinem Start in Saarbrücken fühlte, fühlte sich Brückner im Saarland nie. "Natürlich ist das Saarland ein kleines Land", sagt er, "aber es hat seine Vorteile. Da ist die Verbundenheit unter den Leuten. Eine tolle Sache. Ich fühle mich da sehr wohl." Und irgendwie seien die Saarländer den Bayern ohnehin sehr ähnlich: "Sie sind eher ruhig, gemütlich. Und sie essen gern und gut", fügt er hinzu.
"Toll" - eine andere Beschreibung für das, wie die Saarländer ihn empfangen hätten, gebe es nicht. Und dann kommt er auf seine Rolle im Tatort zu sprechen: "Im Prinzip ist Kappl doch selbst ein Saarländer, und zwar von seiner Person, von seiner inneren Einstellung her. Nur weiß er das nicht vom ersten Moment an. Und er spricht natürlich anders."
Dass es Brückner im Saarland so gut gefällt, das liegt auch an seinen Kollegen - allen voran Gregor Weber. Der spielt im Tatort Kommissar Deininger, Kappls Kollegen, der selbst gern "Chef im Laden" geworden wäre. "Mit Gregor verstehe ich mich wirklich gut" - und als dieser Satz im Gespräch fällt, merkt man, dass es nicht bloß eine Floskel ist, kein Standardsatz in einem von hundert Interviews: "Gregor ist alter Saarländer. Der kennt sich hier aus. Und das Land ist gar nicht so klein, wie man zuerst glaubt, das bringt er einem gut nah." Aber kennt er auch den Stolz der Saarländer? "Steht es mir überhaupt zu, das in Worte zu fassen?", kontert er mit einer Gegenfrage, die seine typische Bescheidenheit ausdrückt: "Ich kann nur nochmal sagen, dass ich mich dort sehr wohl fühle."
Während der Drehtage nimmt Weber Brückner dann auch unter seine Fittiche, zeigt ihm, wo man hingehen kann. "Dann ist es wunderschön, wenn man erkannt wird", bekennt Brückner, "aber es ist nur ab und zu so. Dann merkt man, wie die Menschen das Gesicht erkennen, sieht ihnen an, dass sie gar nicht damit gerechnet haben, einem zu begegnen. Ist man aber erst erkannt, wird es sehr herzlich." Einige Begegnungen sind ihm in Erinnerung geblieben. Etwa als er zum ersten Mal im Saarland erkannt wurde. "Es war eine ältere Frau, die mich erkannt hatte, und ganz zurückhaltend 'Guten Tag' gesagt hat." Dass er nur "ab und zu" erkannt wird, ist Brückner ganz Recht, denn viel Trubel um sich und seine Person mag er nicht: "Ich habe auch gerne meine Ruhe."
Dann kommt das Gespräch aber schnell wieder zurück zum Tatort, zu Franz Kappl. "Die Figur entwickelt sich weiter", weiß der Schauspieler. Zu ehrgeizig sei er am Anfang gewesen. "Aber langsam kommt der Kommissar an", fährt Brückner fort, "und es stellt sich immer mehr heraus, dass er gar nicht soooo ehrgeizig ist." Dazu kämen immer wieder die kleinen Kappeleien mit Deininger. "Aber das funktioniert sehr gut", sagt der Bayer, "und es muss auch so sein. Durch unterschiedliche Charaktere wird es erst richtig gut. Im echten Leben treffen ja auch viele Charaktere aufeinander und müssen miteinander zurechtkommen. Ein schwarzer Hintergrund braucht ja auch einen weißen Fleck als Kontrast. Und durch die Spannungen und Probleme wächst das Team zusammen."
"Heimatfront", der aktuelle Saar-Tatort, befasst sich mit Soldaten. Mit denen, die in Afghanistan Dienst tun, wieder nach Hause zurückgekehrt sind. Wie sie mit Erlebnissen des Krieges umgehen, wie sich dadurch ihr Leben ändert. Zufall sei es, dass ausgerechnet jetzt die Saarlandbrigade ihren größten Auslandseinsatz aller Zeiten habe. "Als wir gedreht haben, war das noch nicht aktuell." Dennoch: Für Brückner, der selbst "Zivi" war, ist das ganze Thema ein "zweischneidiges Schwert": "Mit diesem Thema befassen sich viele. Viele kommen psychisch zerstört aus diesen Einsätzen zurück. Wir haben im Tatort nur eine fiktive Geschichte gedreht. Aber sie erzählt, was passiert. Wir zeigen das nur."
Kommissar Kappl ist nur eine Rolle, die Maximilian Brückner spielt. Angst, dass er irgendwann nur noch mit dieser Rolle in Verbindung gebracht wird, hat er nicht. "Ich drehe auch andere Sachen", sagt er, "und trotzdem macht es Spaß, gerade diese Figur weiterzuverfolgen, sie sich entwickeln zu lassen. Das macht mir Spaß - und ich bin ganz ehrlich froh darüber. Einen Tatort zu drehen, das heißt ja auch: Qualität auf hohem Niveau. Und es klappt. Unsere Folgen werden immer besser, es gelingt alles immer besser." Bis jetzt ist Brückner als Schauspieler noch nicht in der Schublade 'Tatort-Kommissar' gelandet. In seinen Augen ein Vorteil des Saar-Tatorts: "Wir drehen ja nur einen im Jahr, da ist die Gefahr nicht so groß."
Verlegen ist Brückner im ganzen Gespräch nicht. Nur bei einer Frage gerät er ins Stocken. Das aber scheint seinem Naturell zu entsprechen. Der Saar-Tatort ist nämlich tatsächlich besser geworden. Das tut "vox populi" auf der Straße kund, das sagen die Gespräche unter Arbeitskollegen am Montagmorgen. "Das finde ich super", sagt Brückner, und seine Freude über die Aussage ist ihm ins Gesicht geschrieben. Er weiß nicht, was er darauf weiter sagen soll. Hörbar schluckt er, atmet durch. "Wir bemühen uns, es immer besser zumachen", schildert er nach einigen Sekunden der Stille: "Wir wissen, dass wir nie allen gerecht werden können. Aber wir arbeiten wirklich daran."
Kurz vor Weihnachten war das Gespräch mit Brückner. Weihnachten genießt er am liebsten im heimatlichen Riedering. Und seine Gedanken schweifen dorthin. Hier hat er seine Karriere begonnen. Hier hat er zum ersten Mal auf der Bühne gestanden - beim Krippenspiel. Brückners Augen strahlen. "Es ist aber auch ein ganz besonderes Krippenspiel", lacht er, "Es kommt ursprünglich von den Salzburger Festspielen." Und eine Familientradition ist es noch dazu. Nicht nur der "kleine Maximilian" war mit von der Partie. "Wir haben alle da mitgespielt", sagt er nicht ohne seinen ganz eigenen heimatverbundenen Stolz: "Meine Schwestern sind immer noch dabei. Die kleine spielt mit, die grosse coacht die Truppe."
Thomas Hoffmann, Forum #3/2011
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Nach dem Film interviewte Steffen Grimberg Regisseur Alexander A. Freydank und die Tatort-Crew mit Maximilan Brückner alias Hauptkommissar Kappl (Bildmitte) © Saarland.de
"Heimatfront" heißt der neue SR-Tatort. Er wird am 23. Januar 2011 um 20.15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Er packt mit dem Bundeswehreinsatz in Afghanistan ein brisantes Thema an. Doch bevor er im Fernsehen ausgestrahlt wurde, konnte sich die Berliner Tatort-Familie den Film von Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank einige Tage vorher in der Saarvertretung anschauen. Nach dem Film gab es ein Nachgespräch mit der Tatort-Crew.
Große Begeisterung unter den Berliner Gästen der Tatort-Preview. Jürgen Lennartz als Bevollmächtigter und Peter Meyer, der Leiter der SR-Kommunikation, hatten einen richtigen Riecher, als sie diese Veranstaltung planten. Das Interesse war sehr groß am Film und an der Begegnung mit dem Regisseur Jochen A. Freydank, Kameramann Wolf Siegelmann, den Drehbuchautoren Christian Heider und Christiane Hütter, den Schauspielern Maximilian Brückner, Constantin von Jascheroff, Julia Jäger, Thorsten Michaelis und Uwe Wilhelm sowie Produzent Martin Hofmann und dem Redakteur Christian Bauer.
Vertretung des Saarlandes beim Bund in Berlin, 18.1.11
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Das Trauma der Soldaten
Im neuen Saarbrücker Tatort, der am Sonntag zu sehen ist, steht der Afghanistan-Einsatz von deutschen Soldaten im Mittelpunkt. Vier Soldaten, die aus dem Auslandseinsatz zurückgekehrt sind, geraten unter Mordverdacht.

Maximilian Brückner (l.) und Gregor Weber (r.) bei den Dreharbeiten zu "Heimatfront". In der Mitte Regisseur Jochen Alexander Freydank. (Bild: dpa)
Bei einigen Szenen fällt das Hinschauen schwer: Die Therapiesitzungen von vier traumatisierten Soldaten nach deren Afghanistan-Einsatz sind auf Video aufgezeichnet worden. Darin geben sich die Männer komplett ihren Erinnerungen hin - sie weinen, schreien und fallen regelrecht in sich zusammen, wenn sie an ihre Kriegserlebnisse zurückdenken. Von den sonst so starken Männern ist kaum mehr etwas übrig. Im neuen Saarbrücker Tatort (23. Januar, 20.15 Uhr) steht der Afghanistan-Einsatz von deutschen Soldaten im Mittelpunkt.
Während einer Kunstperformance wird die junge Victoria Schneider erschossen. Der Schuss wurde aus weiter Entfernung abgefeuert, daher gehen die Kommissare Franz Kappl (Maximilian Brückner) und Stefan Deininger (Gregor Weber) davon aus, dass der Täter ein geübter Schütze sein muss. Da sich die Kunstaufführung kritisch mit dem Afghanistan-Einsatz beschäftigt, fällt der Verdacht schnell auf eine Gruppe traumatisierter Soldaten, die in Afghanistan stationiert waren. Obwohl die Beweislage eindeutig scheint, kommen Kappl und Deininger nur schwer mit ihren Ermittlungen voran, denn die vier verdächtigten Soldaten halten zusammen und verschaffen sich gegenseitig Alibis.
Die Debatte um den Afghanistan-Einsatz ist derzeit hochaktuell. Die schwarz-gelbe Bundesreegierung will mit dem Abzug deutscher Soldaten vom Hindukusch möglichst Ende 2011 beginnen. Während jedoch Bundesaußenminister Guido Westerwelle angesichts der Fortschritte in Afghanistan den Abzug unbedingt 2011 schon einlösen will, geht Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Sache vorsichtiger an. Guttenberg verweist stets darauf, dass festgelegt wurde, mit dem Abzug erst dann zu beginnen, wenn es die Lage erlaube - und dies könne durchaus erst nach 2011 der Fall sein. Derzeit beteiligen sich rund 4.900 Bundeswehrsoldaten an der Mission am Hindukusch.
Der Oscar-Preisträger und Regisseur von "Heimatfront", Jochen Alexander Freydank, interessiert sich selbst sehr für die Afghanistan-Debatte. Daher sei es spannend für ihn gewesen, dieses Thema in einem Tatort umzusetzen. Auch habe er die Freiheiten bei seiner ersten Tatort-Regie genossen. "Es gibt zwar Vorgaben wie etwa, dass es relativ schnell eine Leiche und am Ende einen Täter geben muss, aber ich konnte auch gesellschaftlich relevante Themen in den Film einbauen", sagte Freydank.
Die Sprache im Film ist zum Teil sehr umgangssprachlich, modern und voller Schimpfwörter. "Wir haben nicht am Drehbuch festgeklebt, dadurch wurde der Film authentisch", sagte der 43-jährige Regisseur. Diese Form des Realismus sei ihm wichtig. Der Tatort gehört Freydank zufolge zu den spannendsten Formaten des Fernsehens. Tatort-Regisseur zu sein, sei wie als Fußballverein in der Bundesliga zu spielen, verglich der gebürtige Berliner sein Krimi-Debüt. (dapd)
Quelle: ksta.de, 20.1.11

Premiere im Saarbrücker Cinestar Kino am 21. Januar 2011, anläßlich des Max-Ophüls-Festivals

Friedrich Mücke und Martin Kiefer

Jochen A. Freydank und Constantin von Jascheroff
Anwesend waren unter anderem der Regisseur Jochen A. Freydank, die Schauspielerin Alice Hoffmann, die Schauspieler Hartmut Volle, Friedrich Mücke, Martin Kiefer und Constantin von Jascheroff.
Screencaps aus "Aktueller Bericht" vom 21.1.11 (25-30 min)

Amüsante Dialoge, schwieriges Thema: Der neue "Tatort" aus Saarbrücken handelt von Kriegstraumata. Der Krimi ist eine Art Lehrstück - und dennoch lustig und bewegend.
Die Demoskopen in Allensbach ermittelten, dass 40 Prozent der Tatort-Seher die lang gedienten Kölner Kommissare am liebsten haben, nur sieben Prozent hingegen die beiden Jungen aus Saarbrücken. Zu ihrem Glück muss die ARD Wettbewerb nicht fürchten, die Gebührenmilliarden kriegt sie sowieso, also auch dann, wenn Ballauf und Schenk noch mit 90 am Büdchen ins Kölsch husten.
Gerecht ist das nicht für die jungen Kommissare Kappl und Deininger aus Saarbrücken - die eigentlich die Rettung einer im Anachronismus feststeckenden TV-Serie sind.
Maximilian Brückner und Gregor Weber sind grandiose Schauspieler, die in dieser Folge die Ermittlungen gerne (danke) nicht kommentieren, sondern lieber staubtrockene Klopper rausnuscheln. Es bereitet große Freude, sich die anzusehen.
Dieser Tatort des Kurzfilm-Oscar-Preisträgers Jochen Freydank startet wie eine Persiflage. Die junge Künstlerin Viktoria Schneider wird bei einer Antikriegs-Performance aus 400 Metern erschossen. Nun baumelt sie als totes Engelchen in den Seilen.
Vier Soldaten - Afghanistanheimkehrer - geraten bei den Ermittlungen im irgendwie somnambulen Saarbrücken ins Visier der Ermittler. Die machen sich wegen der Langstreckenqualität des Projektils erstmal kundig.
Also fragt Deininger, der aussieht wie der Polizist von den Village People, den Beamten-Kollegen aus der Spezialwaffenabteilung: "Was würden Sie denn nehmen für den Hausgebrauch?" - "Es gibt keine Waffe für den Hausgebrauch." - "Anscheinend schon, sonst wär' die Frau Schneider ja nicht tot."
So trocken geht das hier zu bis zum wahrhaft spannenden Ende in einer ausgelassenen Kohlegrube. Auch wegen des dialogsicheren Buchs von Christiane Hütter und Christian Heider, auch wegen einer tollen Ensembleleistung ist dabei ein Kunststück gelungen: Der Film ist oft komisch, und doch bewegt er.
So ist dieser Off-Tatort über Kriegstraumata ein Lehrstück geworden: Bei einem so wichtigen Thema darf im Unterhaltungsfernsehen nicht viel erklärt, stattdessen muss mit Sorgfalt genuschelt werden.
Alexander Gorkow, Tatort-Kolumne: Folge 4, Süddeutsche Zeitung, 23.1.11
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"Tatort" Afghanistan - Männer im elenden Zustand
Der "Tatort" nimmt sich der deutschen Afghanistan-Veteranen an: "Heimatfront" ist ein packender Krimi und politischer Diskurs zum Thema Kriegseinsatz.
Meistens ist es furchtbar, wenn der "Tatort" sich mit gesellschaftspolitischen Themen auseinandersetzt. Dann rückt die Krimihandlung in den Hintergrund, die Ermittler werden zu Statisten in ihrem eigenen Fall, der sich dem Lamento über die Kälte im Land oder die Ignoranz der Mächtigen unterordnet. Der WDR ist ein Spezialist für solche Sozialkitsch-Krimis.
Manchmal aber gelingt es, ein Thema aufzugreifen, das aktuell, relevant und interessant ist, und wenn man ganz viel Glück hat, entsteht um dieses Thema ein interessanter Kriminalfall, der spannend ist und den Horizont des Zuschauers erweitert. Dem Saarländischen Rundfunk ist mit dem Tatort "Heimatfront", den die ARD am Sonntag ausstrahlt, so etwas ganz seltenes gelungen, und der Dank dafür gebührt dem sehr begabten Berliner Regisseur Jochen Alexander Freydank.
"Heimatfront" ist sein erster Langfilm, der wohl erst möglich wurde, als er 2009 für seinen Kurzfilm "Spielzeugland" einen Oscar bekam. Denn schon damals war Freydank kein junges Talent mehr, eher jemand, der von der deutschen Film- und Fernsehszene weitgehend ignoriert worden war. Fünfmal lehnten ihn die Filmhochschulen in Potsdam und Berlin ab, Freydank musste Werbefilme drehen und Drehbücher für Serien wie "Dr. Sommerfeld", "Medicopter 117" und "Klinikum Berlin Mitte" schreiben, um seine Kurzfilme zu finanzieren, die er dann auf kleinen Festivals zeigte. Auch auf "Spielzeugland", ein Film zum Thema Holocaust, der 30.000 Euro kostete und für den die Finanzierung drei Jahre dauerte, wurde zunächst das Ausland aufmerksam.
In "Heimatfront" werden die Saarbrücker Ermittler Stefan Deininger (Gregor Weber) und Franz Kappl (Maximilian Brückner) mit dem Mord an einer Kriegsgegnerin und Künstlerin konfrontiert. Während ihrer Performance wird die Frau aus weiter Entfernung von einem Scharfschützen erschossen. Ziemlich schnell geraten die Kommissare an einen Kreis von vier Verdächtigen, Bundeswehrsoldaten, die gerade aus Afghanistan gekommen sind und nun versuchen, sich in der zivilen Welt zu Recht zu finden. Ihr Motiv: Die Künstlerin hatte für ihre Performance illegal Videos benutzt, welche die Soldaten in einer Trauma-Therapie zeigen.
Immer wieder kommt der Film auf diese Videos von jungen Männern im erbärmlichen Zustand zurück. Er zeigt, wie sie mit der Integration in eine Gesellschaft kämpfen, in der viele der Ansicht sind, die Bundeswehr bohre lediglich Brunnen am Hindukusch und verschanze sich Bier trinkend in ihren Camps.
Ungemütlich wird es vor dem Fernseher, wenn die traumatisierten Kameraden versuchen, ihren Zustand zunächst mit Disziplin, dann mit Alkohol in den Griff zu bekommen, wenn sie ihren Familien gegenüber sprachlos sind, weil allein schon ihre militärische Sprache sie von der zivilen Welt abgrenzt; wenn sie alleingelassen am Rande stehen, zudem von Kriegsgegnern als Mörder beschimpft werden.
Dabei urteilt der Film nicht und die Kommissare tun lediglich ihren Job, ermitteln und sind grundsätzlich unzufrieden mit dem, was der Krieg aus den Menschen macht. Eine gute Idee, dass es zwei Ermittler gibt, spiegelt sich doch in ihnen das Land wieder: So ist dem einen der ganze militärische Kram zuwider, der andere kann Verständnis dafür aufbringen, hat er doch selbst Wehrdienst geleistet. Es gelingt ihm so leichter, den Korpsgeist der Männer zu durchdringen und letztlich auch den Fall zu lösen, wobei niemand ein Happyend erwarten sollte. "Grundsätzlich finde ich Krieg eine furchtbare Sache", sagte der Regisseur bei den Dreharbeiten im vergangenen Jahr der dpa. "Aber jetzt sind wir in Afghanistan an einem Punkt, wo wir nicht so einfach zurückkommen. Leider gibt es da kein Schwarz und Weiß." Einfach macht Freydank es dem Zuschauer nicht.
Vielleicht ist liegt es auch daran, dass er ein für Deutschland neues Genre präsentiert: den Kriegsfilm. Wahrscheinlich ist dieser "Tatort" deswegen so irritierend. Man gewöhnt sich schwer daran, junge Deutsche zu sehen, die vom Krieg erzählen. Da hilft es auch nicht, dass inzwischen kaum noch eine Provinzbühne ohne das Thema auskommt oder dass mit "Deutscher Sohn" 2010 ein erster Roman zum Thema erschienen ist. Freydanks Film zwingt dazu, sich mit dem Umgang der Gesellschaft mit ihren Soldaten auseinanderzusetzen. Gut gespielt, gut fotografiert ist er zudem.
Die Bundeswehr stand den Machern beratend zur Seite, heißt es beim Saarländischen Rundfunk. Zumindest im Saarland, wo der Film spielt, sei die Zusammenarbeit auch gut gewesen. Das Verteidigungsministerium in Berlin allerdings hat gemauert. In eine echte Kaserne durfte das Team nicht.
Torsten Thissen, Die Welt, 23.1.11
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Der Saarländische Rundfunk hat den Tatort "Heimatfront" produziert und sich dabei viele Gedanken um Krieg und Frieden, um Liebe und Kameradschaft gemacht. Die Umsetzung ist schonungslos. Eine Kritik:
Wenn der kleine Saarländische Rundfunk alle Jubeljahre mal einen "Tatort" produziert, dann haben sich viele Leute viele Gedanken über ein Thema gemacht. Ach was, ein Thema? In "Heimatfront" (ARD) geht es um Krieg und Frieden, es geht um Liebe und Kameradschaft, Politik und Kunst. Wobei die Kunst erst mal nur für den Anfangsschocker herhalten muss. Vier Soldaten stehen im Verdacht, eine Frau im Engelskostüm während einer Performance aus 400 Metern erschossen zu haben. Für die Kommissare Kappl (Maximilian Brückner) und Deininger (Gregor Weber) sind sie kaum zugänglich. Weil sie während ihres Afghanistan-Einsatzes viel verloren haben, vor allem ihr Seelenheil. Noch nie sind so viele Soldaten mit einer posttraumatischen Belastungsstörung zurückgekehrt wie heute.
Es ist schlicht bedrückend zu sehen, wie diese seelischen Wunden die Welt der Soldaten auf den Kopf stellen. Wie sie sich im Alltag hart und unverwundbar geben und dann in den Therapiesitzungen heulen, schreien und verzweifeln. Wie sie darunter leiden, dass ihnen statt Anerkennung so viel Hass und Verachtung entgegenschlägt. Einer erträgt es nur mit Alkohol, ein anderer sehnt sich zurück nach dem Krieg, weil er sich vor seiner Vaterrolle fürchtet. Und einer tötet, weil er liebt.
Das Leben ist für die Soldaten zu einer Bedrohung geworden. Und das zeigt Regisseur und Oscar-Preisträger Jochen Freydank so schonungslos, dass er uns Zuschauer in die Rolle eines Scharfschützen steckt: Wenn wir schon den Krieg anprangern, sollten wir wenigstens das richtige Ziel vor Augen haben.
Katharina Fuhrin, Merkur-online, 24.1.11
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Die Taliban killen das Christkind
Wie schön wäre eine Bundeswehr, die als Bubiwehr mit Strafzettel und Polizeikelle die Demokratie nach Afghanistan bringt. Viel näher an der Wahrheit: Der "Tatort: Heimatfront".
Waffenspiele in Nordafghanistan, bei denen sich aus der Dienst-P8 eines Soldaten eine Kugel löst und den Kameraden tödlich trifft. Schikanöser Drill auf dem auf Fotos stets so schön blütenweißen Segelschulschiff "Gorch Fock", und eine Soldatin, die aus dem Mast zu Tode stürzt. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg löst ganz schnell den Kommandanten ab. Alles wieder befriedet?
Demokratie, aber bitte "all inclusive"
Ach, wie schön wäre eine Welt, in der ein demokratisch gewordenes Deutschland anstelle seiner Bundeswehr eine Bubiwehr nach Afghanistan schicken könnte. Die mit Strafzetteln gegen Steinigung und Polizeikelle gegen Pression vorgeht, um Demokratie ins Land zu bringen, Freiheit und Wohlstand - sozusagen "all inclusive".
Das Böse im Land der Guten
Es ist naiv. Vieles an der Kritik am Einsatz in Afghanistan ist naiv. Und vieles an der Rollenerwartung, die den deutschen Soldaten in den Krieg, der nicht ihrer sein müsste, mitgegeben wird, ist unverantwortlich naiv. Immerhin darf inzwischen leidlich offiziell von einem "Krieg" gesprochen werden in Afghanistan. Und die Kriegsheimkehrer? Der "Tatort: Heimatfront" zeigt beeindruckend, dass nicht alles Böse zu Ende ist, wenn die Soldaten ins Land der Guten zurückgekehrt sind.
Blutfleck auf dem Friedensengel
Eine Künstlerin, Kriegsgegnerin, hat sich für einen Antikriegsfilm als eine Mischung aus Friedensengel und Christkind kostümiert. Auf Bildschirmen im Hintergrund sind Soldaten zu sehen. Als das Christkind in Weiß hochgezogen wird, bildet sich auf dem Kleid ein roter Fleck. Aus 400 Metern Entfernung hat ein Scharfschütze die Friedensperformance nachhaltig gestört. "Glatter Durchschuss", stellen die Polizei-Ermittler fest, "aus unglaublicher Entfernung". Victoria heißt das Mord-Opfer: Sieg. Ausgerechnet.
Als Wracks nach Hause gekommen
Die Geschichte, die der Saarbrücker "Tatort" entwickelt, ist einfach. Die Friedensaktivistin hat Videos vier heulender Soldaten ins Internet gebracht, aufgenommen bei der Trauma-Therapie. Sind die vier, die von diesem Moment an öffentlich bloßgestellt sind, die potenziellen Mörder? Bemerkenswert cool reagiert ihr Brigade-Kommandeur. Der sagt zu den Ermittlern schlicht: "Glauben Sie, dass unsere Brigade seit Afghanistan in ein noch schlechteres Licht gerückt werden könnte?"
Alle vier sind als Wracks nach Hause gekommen. Dem einen fehlt das Bein. Die 3400 Euro Entschädigung will er mit seiner Frau in ein Café in der Fußgängerzone investieren. Der andere zittert posttraumatisch, und er scherzt bitter über seinen Tremor: "Damit kann ich vielleicht noch Koch werden und Sahne schlagen." Der nächste säuft sich sein Restleben süß, während er bitter bilanziert: "So ist's, wenn man ein halbes Jahr bei den Kameltreibern herumhängt - Frau weg, Geld weg." Und als Berufsperspektive? Bleibt der Wachdienst im Kaufhaus.
Unrealistisch? Einzig die Hilfe
Schön erzählt ist diese Bitternis der Heimkehrer. Und außergewöhnlich präzise die Ermittlungsarbeit des "Tatort"-Duos. Noch nie hatte der Bayer Maximilian Brückner in seinem Saarbrücker Auslands-Einsatz ein so überzeugendes, so nüchternes und doch so anrührendes Drehbuch. Das größte Kompliment spricht im Anschluss bei "Anne Will" Heike Groos, selbst in Afghanistan traumatisiert. Das einzig Unrealistische an diesem "Tatort" sei, so die Oberstabsärztin, "die psychologische Betreuung direkt in der Kaserne".
Josef Seitz, Focus, 24.1.11
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Kritik auf Filmfernsehentheater vom 24.1.11, freundlicherweise zur Verfügung gestellt von S. Zens
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Mit gutem Grund hatte der Soldat in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg durch das NS-Regime, für das er - egal, ob freiwillig oder gezwungenermaßen - den Kopf hinhalten musste, unter dieser schmutzigen Vergangenheit zu leiden. Der Makel der Kriegsverbrechen haftete an Schuldigen und Unschuldigen gleichermaßen, und die Bundeswehr musste um ihren "Bürger in Uniform" lange und mühsam kämpfen. Und dass sich üble alte Rituale der Militärtraditionen in Soldatenköpfen immer noch halten, wird oft genug aktenkundig.
Das Problem von Afghanistan-Soldaten mit der Ablehnung dieses Krieges in der Bevölkerung und dem Mangel an Verständnis für die Belastungen der Soldaten in einem terroristisch geprägten Umfeld ist also glaubhaft - und der saarländische "Tatort"-Krimi "Heimatfront" von Jochen A. Freydank (Selfmade-Filmemacher und Oscar-Preisträger!) ist mehr als ein Krimi: Nämlich ein Psycho-Drama in gesellschaftspolitischer Schieflage: Vier traumatisierte junge Afghanistan-Soldaten klammern sich an falsch verstandene Kameraden-Solidarität, als eine Antikriegsdemonstrantin ermordet wird.
Die Kripo-Kommissare aus Saarbrücken (Gregor Weber und Maximilian Brückner) stoßen bei der Vernehmung auf die feindselige Abwehrhaltung der Trauma-Truppe, die es bis zum Countdown-Schußwechsel kommen läßt. Seelenverletzung mit tödlichem Ausgang.
Ponkie sieht fern, AZ München-Druckausgabe, 25.1.11

"Heimatfront" - ich habe ein paar Tage gebraucht, bis ich den Film so sortiert hatte, daß ich drüber schreiben kann.
Ein Tatort, wie er kaum aktueller sein könnte. Als hätten sich die Verantwortlichen abgesprochen, daß sobald der Sendetermin feststeht, so einiges Unangenehmes über die Bundeswehr an die Öffentlichkeit gelangt, und die Diskussion über den Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan wieder aktuell wird. So war es aber sicher nicht, und ganz sicher so nicht geplant.
Um was es in dem Film geht, hat ja nun schon jeder Schreiber vor mir beschrieben, also kann ich mir das sparen. Ich kenne nun niemanden, der zur Zeit in der Bundeswehr oder einer anderen Waffengattung dient, nur solche, die schon vor Jahren durchgeschleust wurden als nur 'geübt' wurde, und ehemalige Angehörige anderer Armeen, die sich zu dem Zeitpunkt entweder im Kriegseinsatz oder in humanitärer Mission in Kriegsgebieten befunden haben.
Erstere schwärmen meist noch heute von der Kameradschaft, die sich damals gebildet hatte, letztere kämpfen teilweise immer noch mit den physischen und psychischen Nachwirkungen dieser Zeit.
Und das ist der Punkt an dem dieser Tatort ansetzt: In Deutschland (aber nicht nur hier) wird leider immer noch verdrängt, daß so schlimm der Tod von Soldaten im Einsatz ist, vor allem für deren Familien, viele Soldaten zwar körperlich gesund zurückkommen, aber die seelischen Verwundungen mindestens genauso schlimm sind. Angehörige und Freunde stehen dem veränderten Verhalten der Zurückgekehrten mit Unverständnis gegenüber, sie waren ja nicht mit dabei und haben erlebt, was nun schon das Geräusch eines dem Flaschenhals entweichenden Korkens bei ihnen auslösen kann.
Kommissar Kappl hatte bei den Gebirgsjägern in Mittenwald gedient (ob er da auch durch das rohe-Leber-Ritual durchmußte?); sein Darsteller Maximilian Brückner war Zivi (was gut war, denn sonst wäre er vermutlich nie Schauspieler geworden). Kommissar Deiniger hatte wohl nicht gedient; sein Darsteller Gregor Weber jedoch fuhr als Funker zur See und ist heute Reservist in der Saarland-Brigade - derjenigen, in der die die vier Soldaten des Films ebenfalls Dienst tun.
Maximilian Brückner und Friedrich Mücke spielen und schlagen sich in Ibsens & Stückls "Peer Gynt" (zur Zeit leider allerdings ausgesetzt) am Münchner Volkstheater, daher sind ihre gemeinsamen Szenen ganz besonders intensiv. Sie kennen sich halt gut. Vermutlich stammen so Gustostückerl wie "Kaschperltheater" (Kappl/Brückner) - "...das heißt Kaspertheater!, Herr Hauptkommissar!" (Weitershagen/Mücke) aus dieser ihrer Zusammenarbeit.
Ich habe das Gefühl, daß die Leiche und die Aufklärung ihres Todes - die es in einem "Tatort" nun einfach braucht - nur dazu da ist um die wesentlich tiefergehende Geschichte der vier Soldaten und ihres Umfeldes zu erzählen. Und das gelingt dank eines lebensnahen tollen Drehbuchs, wunderbar besetzten Schauspielern, einer beeindruckenden Kameraführung - manches Mal als wäre ein Zielfernrohr montiert - und natürlich vor allem dem Regisseur, der sich traute, auf die bei vielen Tatorten eingebürgerte Wirklichkeitsweichspülung zu verzichten, ganz hervorragend!
Zugegeben, ich schaue nicht viele Tatorte, meist sind es nur die aus München, aus Münster und seitdem im Saarland ein bestimmter Bayer Dienst tut, auch die aus Saarbrücken. Aber dieser hier, mit dem passenden Titel "Heimatfront" war sicher einer der besten, die ich gesehen habe. Ich dachte schon, nach "Hilflos" (Saarbrücken, 2010) und "Nie wieder frei sein" (München, 2010) kann es kaum besser werden, aber es geht doch! Super gemacht!
Vermutlich hat Maximilian Brückner von den Erfahrungen, die er durch die Beschäftigung mit diesem Thema für "Heimatfront" gemacht hat, auch für seinen später im selben Jahr gedrehten ZDF-Film "Kongo" profitieren können. Darin spielt er einen Feldjäger, der zusammen mit seiner Vorgesetzten in den Kongo geschickt wird, um dort den vermutlichen Selbstmord eines deutschen Blauhelm-Soldaten zu untersuchen. An den Erlebnissen, die er während der Fahrten durch das Land hat, zerbricht er. Auch ein Film, der sich dem Thema "Soldaten nach Kriegseinsatz und ihre Wahrnehmung durch die unbeteiligte Umgebung" widmet.
Jedenfalls wünsche ich mir mehr so gut gemachte "Tatorte" wie den vom Sonntag, gerne auch wieder aus Saarbrücken und auch weitere vom Regisseur Jochen Alexander Freydank.
© EFi, 25.1.2011

ARD Seiten zur Episode: "Thema Afghanistan beim neuen SR-Tatort" ; "Heimatfront" ; Video "Aktueller Bericht" vom 23.4.10 zum Bergfest (Halbzeit) des Drehs (21-24.20 min)

Bavaria Film Pressemeldung: "Tatort - Heimatfront": Erster Langfilm von Oscar®-Regisseur Jochen Alexander Freydank, 11.1.11

Scene of the Crime: Home Front
Young artist Viktoria is shot from afar during a performance art piece. Homicide detectives Kappl and Deininger soon realize that only an expert marksman could have fired the shot from such a great distance.
Since the performance dealt critically with the war in Afghanistan, the trail soon leads to a group of four traumatized soldiers, whose therapy session videos the artist illegally used in her piece. Each of the four thus has a motive: revenge. But not surprisingly, corps spirit prevails, and none of the soldiers are talking, instead providing each other with alibis. While the detectives try to figure out how to break through the wall of silence, they find they have their own differences to work out, as well. It seems the Afghan war has no easy solution, even at home.
Market leader (22.4%) on ARD prime time.
Source: Global Screen

Trivia:
Torsten Michaelis spielt seit 2007 Kriminaldirektor Stefan Bitomsky, Vorgesetzter von Kriminalhauptkommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) im "Tatort" aus Hannover. Seit 1993 ist er Synchronsprecher von Sean Bean, und 1995 der von Viggo Mortensen in "God's Army - Die letzte Schlacht".


Seite erstellt am 23. Januar 2010 von EFi ; ergänzt am 25. Januar 2011 - weitere Tatort-Episoden -
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