Christian Stückl und das Münchner Volkstheater

Christian Stückl, geboren am 15. November 1961 in Oberammergau als Sohn einer Gastwirtsfamilie, gelernter Holzbildhauer und seit seiner Kindheit Theaterbesessen, war Assistent von Dieter Dorn an den Münchner Kammerspielen, dann Regisseur an diversen deutschsprachigen Theater- und Opernbühnen (u.a. in Frankfurt, Hannover, Köln, Wien, Salzburg) bevor er zur Spielzeit 2002/03 regieführender Intendant des Münchner Volkstheaters wurde. 2006 inszenierte er die Eröffnungsfeier der Fußballweltmeisterschaft in München in der Allianz-Arena (für die Choreographie des Schuhplattlers nach der Melodie des Max-Glaner-Marsches zeichnen Josef und Franz Staber und Dominikus Brückner von den Jungen Riederinger Musikanten verantwortlich, die auf einem überdimensionalen Heuwagen sitzend die Arena beschallten), und nach 1990 und 2000 war er 2010 zum dritten Mal Spielleiter der Passionsspiele von Oberammergau. Nach der dritten Vorstellung übernahm er ab Februar 2011 für einige Vorstellungen die Hauptrolle des 'Peachum' in seiner Neuinszenierung von Brechts "Dreigroschenoper", weil sich der eigentliche Darsteller eine Kehlkopfentzündung zugezogen hatte. Und er war wunderbar. Seinen Vertrag als Intendant hat er vorzeitig auch gleich bis 2015 verlängert. Im Juli 2011 wurde ihm dann der längst überfällige Bayerische Verdienstorden verliehen. Im März 2014 hat Christian Stückl die ihm vom Kulturreferenten Hans-Georg Küppers angebotene Verlängerung seines Vertrags bis 2020 akzeptiert. Die Vertragsverlängerung hatte Stückl jedoch vom künftigen Standort des Theaters abhängig gemacht. Das jetzige Gebäude, eine ehemalige Turnhalle, ist stark sanierungsbedürftig. Der Stadtrat hat die Suche nach einem neuen Standort bereits eingeleitet. Ebenfalls im März 2014 wird Christian Stückl mit dem mit 10.000 Euro dotierten Theaterpreis der Landeshauptstadt München, der alle drei Jahre vergeben wird, für seine künstlerischen Leistungen und für seine Verdienste um die Theaterstadt München ausgezeichnet.

Aus ihm dampft und raucht es, er ist ein schnaubendes Theatertier, sagte Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers über Stückl bei der Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Volkstheaters am 4. Oktober 2008. Er habe ein untrügliches Gespür für Talente und Rohdiamanten, sagte Küppers. Kaum spielten sich die jungen Talente in Stückls Ensemble ein, werden sie von den Großen der Branche weggeschnappt.

Stückl über Stückl:
Und ein weiteres Mal werden Peter Simonischek und ich im "Jedermann" in Salzburg versuchen, den letzten Dingen des Lebens auf die Spur zu kommen. Vielleicht findet die aber nur der "Brandner Kaspar" im Volkstheater ... Irgendwie bin ich eben doch der Fachmann fürs Katholische.
Aus: Volksmund, Spielzeit 2007/08
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Stückl über Brittte Hobmeier (von 2002 bis 2005 am Volkstheater):
I woaß no de Brigitte Hobmeier. De hat sich vorm Vorsprechen beim Bäcker eine Quarktasche kaft. Und de kam auf die Bühne und wie die de Quarktaschen gessen hat, da hob i dacht "De muaß i hobn. De ist so guat, des war wirklich wunderbar." Oiso, des was sie gagt hat, des woaß i gar nimmer ganz genau, was die Texte da drunter waren. Aber alloa wie die die gessen hot, des komma ned bechreiben. Da war alles drinna. Wir sassen im Zuschauerraum, die hat uns mit der Quarktasche ang'macht. De hat uns zeigt mit der Quarktasche, daß wir ihr ziemlich an Buckl runterrutschen können. Alles war drinna, alles war in der Quarktasche drinna.
Brigitte Hobmeier - Maximilian Brückner

Christian Stückl und Maximilian Brückner
Und über Maximilian Brückner (seit 2002 Gast am Volkstheater):
Und des is aber ah so. Mei, da Maxi Brückner, der Tatortkommissar und bei uns spuit er an Boandlkramer. Des is manchmoi so, der steht auf der Bühne und schaugt di o und sogt fünf Sätze und da warn a drei foische dabei, aber die zwoa warn richtig und de warn b'sonders guat. Und dann host scho wieda oan gfunden. Und i hob total Lust g'habt mit eahm zu arbeiten.


Aus: Mensch Theile, BR3, 29. Mai 2009

Stückl über die Jungen Riederinger Musikanten (seit 2002 Gäste am Volkstheater):
Das erste Mal habe ich mit ihnen bei der Geierwally zusammengearbeitet. Die Initiative ist allerdings von den Riederingern ausgegangen, nicht von mir, sie haben mir gezeigt, wie anders - als ich es gewohnt war, man Volksmusik verwenden kann. Für mich war Bauerntheater, garniert mit Volksmusik, wenig interessant. Der Brückner Maxi - er war damals schon auf der Schauspielschule - hat mich nach Riedering zu seiner Produktion von Magdalena mitgenommen. Da waren lauter junge Leut' auf der Bühne, Schauspielerinnen und Schauspieler und Musikanten. Und das Krippenspiel vom Seppi Staber hab ich mir auch angeschaut und war begeistert vom Spiel der Laien. Dabei ist mir aufgefallen, wie Spielen und Musizieren zusammengehören können. Und ich hab mir gesagt: "Mit denen mach ich auch in München was!" Bei uns am Volkstheater muß jeder Musikant auch schauspielern können. Das tun die Riederinger in unnachahmlicher Weise - hier in München schaun sich auch viele Leute den Brandner Kaspar wegen den Riederingern an. Und es macht mir einen Riesenspaß mit ihnen zu arbeiten. Des war, glab i so a bissl Liebe auf den ersten Blick.
Aus: Sänger & Musikanten, 1/2010
Stückl und die Riederinger

Wer ist eigentlich dieser Christian Stückl?
Brigitte Hobmeier: Als ich mich an vielen Theatern bewarb, nach dem Faust-Projekt bei Peter Stein, meinte ein Kollege, hast du dich denn schon beim Volkstheater beworben? Da soll jetzt so ein wilder Hund anfangen zum Arbeiten. Ich hab' auf der Stelle eine Bewerbung hingeschickt, Und war total aufgeregt, als ich zum Vorsprechen kam, Ich dachte, Volkstheater, vielleicht was Bayerisches, denn Ruth Drexel, Stückls Vorgängerin, hat ja bayerische Stücke gemacht. Ich hab also die Bernauerin von Orff vorgesprochen, auf Bairisch, und dann noch eine Szene, wo eine Frau da sitzt und sich darüber auslässt, dass sie Konfitüre sagt und ihr Mann Marmelade und die Ehe darum die Hölle ist. Nach dem Marmeladenmonolog ist der Christian auf die Bühne gesprungen, hat mir die Hand hingehalten und gesagt: Mit dir möcht' ich arbeiten, magst da her kommen? Bei all meinen Vorsprecharien gab es nie so eine Begegnung mit einem Menschen. Das war ein schöner Augenblick, ich hab gar nicht mit einem Handschlag gerechnet.
Ich hab dann bei der Eröffnung seiner Intendanz die Geierwally gespielt. Es gibt da eine Szene, in der sie Geräuchertes aufschneidet, während einer ihrer Brüder mit einem Mädchen nach Hause kommt und sie das nicht will. Sie hatte keinen Satz zu sprechen, sollte all das nur in dem Schneiden ausdrücken. Bei einer Probe ist Christian auf die Bühne gestürmt und hat's vorgemacht. Und man hat wirklich alles gesehen: Die Eifersucht; das Fremde nicht zu wollen. Er ist ganz frei, hat eine überbordende Empathie für jede Figur und überhaupt keine Scham. Damit schafft er einen Raum, in dem man sich selbst auch nicht schämt. Er lässt alles zu, jede Spinnerei, aber er verlangt auch, dass man mit ihm in diesen Raum geht.
Der Christian braucht Leute um sich herum, die ihm Ja sagen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er herum brüllt. Wenn jemand nicht mitmacht, ist er eher verzweifelt. Fragt: Was soll ich denn jetzt machen? Ich habe das in den drei Jahren nie erlebt, dass er jemanden fertig gemacht hat. Natürlich ist er schon mal mit hängenden Schultern reingekommen, war müde und überarbeitet. Aber zehn Cappuccino und die Bühnenarbeit haben ihn wieder aufgerichtet, das ist sein Lebenselixier. Proben sind für ihn wie Kaffee.

Maximilian Brückner: Ich kenn' ihn seit 2002. Da hat die Bayerische Theaterakademie ein Seminar veranstaltet für Bairisch sprechende Schauspieler. Die tollsten Volksschauspieler und Regisseure waren da, mit denen wir arbeiten sollten: die Monika Baumgartner zum Beispiel oder der Franz Xaver Bogner. Ganz hinten im Eck stand einer, den hab ich nicht gekannt, mit riesengroßen Augen. Mit allen wollte ich arbeiten, nur nicht mit dem. Und was ist passiert: Mich haben sie ihm zugeteilt. Ja, Kruzinesn hab ich mir gedacht. Aber seitdem kriegt er mich nimmer los.
Was total bärig ist: Wenn er einem was vorspielt. Was ein bisserl schade ist: dass er immer an 20 verschiedenen Sachen gleichzeitig arbeitet. Das ist so viel geworden, dass man sich kaum noch außerhalb der Arbeit sieht. Aber der würde sterben, wenn er nicht mehr so viel arbeiten dürfte.
Der stirbt an allem, bloß nicht am Rauchen. Der hat viel Energie, der muss die verbrennen, und manchmal eben mit zwei Zigaretten gleichzeitig.


Illustrationen: Julia Pfaller

Aus: Volksmund, Spielzeit 2012/13
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Der Weltdorf-Theatermacher
Christian Stückl hat vui zvui Gfui - aber das Münchner Volkstheater hat er damit aus der Nische und in die weite Welt geführt

Christian Stückl ist ein sehr intensiver Mensch, das merkt man schon an der Art, wie er raucht. Er zieht nicht nur an der Zigarette, er saugt daran, manchmal mit einem so zischenden Inhalationsgeräusch, daß man den Lungenzug hört. Ungefähr so muß man sich den bayerischen Lockenkopf auch als Theaterleiter und Regisseur vorstellen: gierig alles auf- und in sich hineinsaugend, brennend, hingebungsvoll, unbedingt. Der Kettenraucher Stückl ist einer, der so arbeitet, wie er lebt: auf Lunge. Gesund ist das nicht, es hat ihn im letzten Jahr sogar die Galle gekostet, aber was ist in diesem Leben schon gesund? Das Theater ganz sicher nicht, weil das per se schon ein Virus ist.

Mit den Riederingern auf der Bayern-Schiene
Die Markierung, die "Radikal jung" auf der einen Seite des Spektrums setzt, bildet auf der anderen "Der Brandner Kaspar und das ewig' Leben", Kurt Wilhelms Kultstück vom Nicht-Sterben-Wollen eines bayerischen Schlitzohrs, das den Tod glaslweise mit Kerschgeist (vulgo Schnaps) abfüllt und ihm beim Kartenspiel 18 satte Lebensjahre abluchst, um am Ende doch noch ins katholische Bajuwaren-Paradies zu gelangen. Eine Art bayerischer "Jedermann". 25 Jahre lang stand er seit 1975 in Kurt Wilhelms Ur-Inszenierung am Bayerischen Staatsschauspiel auf dem Programm. In Stückls Neuinszenierung von 2005 erscheint er frischer, grüabiger und kultiger denn je, und wer bis jetzt kein Fan von ihm war, muss schon ein steinhartes Preußenherz haben, um nicht endgültig dazu bekehrt zu werden. Die Aufführung mit Alexander Duda in der Titelrolle und dem jungen Maximilian Brückner als Boandlkramer (hochdeutsch: Tod) ist am Volkstheater der absolute Publikumsrenner. Sämtliche Vorstellungen sind immer schon am ersten Vorverkaufstag für den nächsten Monat ausverkauft. Die Leute kommen aus dem Chiemgau und mit Bussen aus ganz Oberbayern angereist, gerne im Dirndl und im Lederhosen-Look.

Stückl gelingt genau die richtige Balance zwischen handfestem Komödienstadel und einer satirisch grell belichteten Gaudiburschen-Revue, zwischen krachertem Bauern- und barockem Welttheater. Die Waldszenen spielen vor einer fotorealistischen Baumstammkulisse, die Sauf- und Raufszenen in einer graugrünen Bauernstubenschachtel, die auch des Brandners Wohnstube ist, und das Entree zum Paradies ist auf Alu Walters herrlicher Bühne ein mit allerhand Kirchen- und Aktenkrempel vollgestopfter Hochaltar, an dem eine geschwungene Freitreppe hinauf zur Himmelspforte führt. Die Schauspieler, am Volkstheater oft von schwankender Qualität, sind im "Brandner" alle gut, und dass hier die Riederinger Musikanten in knappen Lendenschurzen als halbnackerte Engel posieren, sich dabei als rotzfreche Bengel gerieren und nicht zuletzt einen Schwulenhimmel zitieren, ist ein göttlicher Coup. Noch nie waren sie so saukomisch wie hier, wo ihnen die Weißwürste ("sausicios albos") schon mal im Mund stecken bleiben. Wie Stückl die fidelen Musikanten als Figuren integriert und all die Jäger, Wilderer und Preußen in Gruppen arrangiert, ist große Operette - das kann er einfach, nicht umsonst ist er Passions-Regisseur.

Geplant war dieser Erfolg nicht. Dass Stückl den "Brandner Kaspar" überhaupt inszeniert hat und 2003 auch schon die von Martin Sperr dramatisierte Geschichte vom "Räuber Kneißl" und in seiner ersten Spielzeit, gleich nach Shakespeare's "Titus Andronicus", den Bayern-Klassiker "Die Geierwally" von Wilhelmine von Hillern, liegt an einer Truppe junger bayerischer Volksmusiker, die Stückl 2001 in Riedering, Landkreis Rosenheim, kennenlernte. Maximilian Brückner, damals noch Schauspielstudent, hatte seinen Sommerkurs-Dozenten Stückl in sein Heimatstädtchen mitgenommen, wo er mit seinen Leuten ein Stück von Ludwig Thoma aufführte. Damals sah Stückl sie zum ersten Mal: einen Haufen Burschen samt ein paar Madln mit Posaunen, Flügelhörnern und Trompeten, allesamt großartige Volksmusik-Talente, als Kinderblasmusikensemble aufgebaut vom Staber Josef Anfang der neunziger Jahre - eine Eigeninitiative dreier Riederinger Familien, darunter die vom Brückner Maxi und seinen sieben Geschwistern. Wie lustvoll die aufgespielt haben! "Mit so hinpappte Hoor!" Stückl blitzt noch heute die Begeisterung aus den Augen, wenn er von dieser ersten Begegnung erzählt. Damals habe er sich gedacht: "Wos is'n des für a Bande? Die muss i hom!"

Einen Teil der Truppe, die ganz Jungen, hat er 2002 gleich in seinen "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen integriert. Und am Volkstheater baute er den jungen Blasmusikanten zuliebe dann doch eine klassische Bayern-Schiene ins Programm, angefangen mit der "Geierwally", die Stückl sozusagen um die Riederinger als musizierendes Stammtischvolk heruminszenierte - mit einer fulminanten Brigitte Hobmeier im Zentrum, die damals in ihrer ersten großen Rolle glänzte: nicht als zünftiges Dirndl von der Alm, sondern als eiskalte Domina am Rande des Abgrunds.

Trendsetter Volkstheater oder: das Kerschgeist-Wunder
Die "Geierwally" war ein Riesenerfolg, die bisher zweitbest besuchte Aufführung der Stückl-Intendanz, getoppt nur vom "Brandner Kaspar". Davon beflügelt, setzte Stückl beim "Räuber Kneißl" auf dasselbe Rezept: Blasmusikeinlagen der Riederinger und im Zentrum eine legendäre bayerische Figur, der Volksheld Mathias Kneißl, der schon zu Lebzeiten als 'bayerischer Robin Hood' gefeiert wurde. Maximilian Brückner spielte ihn so überzeugend als einen armen Hund, der aus reiner Not zum Räuber wird, dass er diese Rolle jetzt gleich noch mal übernimmt: in der Verfilmung des Stoffes durch den Regisseur Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt, ist länger tot"). Das Bayerische ist derzeit ja schwer im Kommen, und so wundert es nicht, dass Joseph Vilsmaier gerade den "Brandner Kaspar" fürs Kino verfilmt - mit Franz Xaver Kroetz in der Titelrolle und Michael 'Bully' Herbig als Boandlkramer. Da sage noch einer, Christian Stückl setze mit seinem Volkstheater keine Trends!

Die Begeisterung, die die Aufführung jedes Mal auslöst, hat ob des respektlosen Umgangs mit Glauben und Religion eines Abends auch Dionino Colaneri erfasst, den Rio-Chef der brasilianischen Kultur- und Volksbildungsorganisation Sesc, der daraufhin beschloss, die Inszenierung nach Rio de Janeiro einzuladen. Anfangs hat niemand daran geglaubt, doch im November 2006 gastierte der "Brandner Kaspar" tatsächlich in der brasilianischen Millionenstadt: in Original-Bairisch mit portugiesischer Übertitelung. Der Text wurde zuvor eigens ins Hochdeutsche übertragen, um ihn von dort in die Landessprache zu übersetzen. Der Film "Bayernhimmel überm Zuckerhut - Der Brandner Kaspar in Rio", den Petra Wiegers für das Bayerische Fernsehen gedreht hat, dokumentiert sehr schön die Kuriosität und den Erfolg dieser Unternehmung. Da sieht man die Riederinger Musikanten mit ihren Blechinstrumenten in Lederhosen an der Copacabana und schuhplattelnd auf dem Zuckerhut. Dass der "Brandner" weit jenseits des Weißwurstäquators in Rio funktioniert, ist entweder ein großes Kerschgeist-Wunder oder aber der letztgültige Beweis dafür, dass das Bajuwarentum Stücklscher Prägung ein völkerverbindendes Exportgut der Lebensfreude ist.

In seinem nächsten Projekt mit den Riederingern will Stückl das Bayerische nun aber wirklich nicht mehr bedienen, sondern sich in einer Textcollage rund um Siegfried und andere Helden in die deutsche Sagenwelt begeben. Aber es wäre ja wohl gelacht, wenn nicht auch in Siegfried ein waschechter Oberbayer steckte.
aus: Theater Heute, Januar 2008

Geworden ist es dann aber Henrik Ibsen's "Peer Gynt", in der beinahe hochdeutschen Textbearbeitung von Christian Stückl und Maximilian Brückner. Norwegen liegt halt doch irgendwie in der Nähe von Riedering ... Premiere war am 25. März 2008.

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Bühne des Volkstheaters am 'Tag der offenen Tür' am 4. Juli 2009. Die Beleuchtung ist eingerichtet für den "Brandner Kaspar" am nächsten Abend.
Anklicken zum Vergrössern. Photos: EFi
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Das Volkstheater ist eine der aufregendsten Bühnen Münchens.
Seit dem Amtsantritt des Intendanten Christian Stückl 2002 hat sich das Haus in der Brienner Straße ein modernes Profil verschafft. Junge Regisseure erhalten hier die Chance, ihre Werke zu inszenieren. Auch wenn heute noch Klassiker wie Büchner, Goethe, Brecht oder Shakespeare im Fokus stehen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Lesungen und Konzerten, die das Programm des Volkstheaters abrunden. Große Beachtung findet auch das 2005 ins Leben gerufene und im Volkstheater stattfindende „Radikal jung - Das Festival junger Regisseure“. Das jährliche Event bietet Nachwuchsregisseuren ein Forum, um ihre Arbeit einem größeren Publikum vorzustellen.
Das Volkstheater wurde in seiner heutigen Form im Jahr 1983 eröffnet und bietet Platz für 609 Besucher. Neben der großen Bühne hat das Haus im 1. Stock eine zweite Spielstätte, in der 120 Besucher Platz finden. Viele Veranstaltungen, vor allem Konzerte und Kabarettauftritte, gibt es im Foyer des Hauses.
Derzeit befindet sich das Haus in der Brienner Straße, doch im Jahr 2020 muss das Volkstheater aus der früheren Sporthalle wegen eines zu hohen Sanierungsaufwands ausziehen.
Quelle: münchen.de, das offizielle Stadtportal Münchens

AZ 19.12.2011 Bühne ohne Requisiten, Süddeutsche Zeitung, 17.12.2011

Miettragödie im Volkstheater, Abendzeitung München, 19.12.2011

Kein Platz für Kulissen?, Video - Schwaben & Altbayern aktuell, 22.12.2011

Vielleicht ein Drama, Süddeutsche Zeitung, 24.12.2011

Volkstheater-Zukunft: Neubau oder Ankauf?, tz, 23.5.2012

Spielstätte an der Brienner Straße - Drama um das Volkstheater, Süddeutsche Zeitung, 23.5.2012

Die Stadt lässt prüfen - Wo ist Platz fürs Volkstheater?, Abendzeitung München, 24.5.2012
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Die Spielzeit 2011/12 war betriebswirtschaftlich die erfolgreichste in der Intendanz Christian Stückl.
Wie man zugleich das jüngste Theater Münchens und das mit der größten Kontinuität sein kann, demonstriert das Volkstheater beinahe permanent. Am 25. November werden es zehn Jahre, dass Christian Stückl an der Brienner Straße stets gut gelaunt die Geschäfte führt. "Nicht im Geiste, aber auf dem Kopfe des Mannes macht sich das Vergehen der Zeit bemerkbar. Nach 10 Jahren Volkstheater-Intendanz habe er einige graue Haare mehr", scherzt er, wobei sein mitreißender Elan nicht nachgelassen hat.
In der 10. Spielzeit besuchten 110.479 Zuschauer die Vorstellungen des Münchner Volkstheaters. Darunter waren 27.782 Schüler und Studenten. Das entspricht einem Anteil von 25,14 %. Die Spielzeit 2011/12 endete am 15. Juli 2012 mit der 349. Vorstellung, das waren so viele Vorstellungen wie noch nie. 39 davon waren Gastspiele. Ebenso lag die Platzauslastung mit 86,2 % so hoch wie noch nie.
Für das Theater gibt es nun Planungssicherheit. Nachdem im vergangenen Jahr diskutiert wurde, ob die Spielstätte in der Brienner Straße verlassen werden muss, konnten die Verträge für die Lagerräume rund um das Haus doch verlängert werden. Dank höherer städtischer Zuschüsse seien nun alle Verträge bis zum Jahr 2020 unter Dach und Fach, sagte Stückl.
aus: dapd, Pressetermin München, Süddeutsche Zeitung und Abendzeitung München, 14.+15.9.2012

Das Münchner Volkstheater hat gestern sein Programm für die Spielzeit 2013/14 vorgestellt:
Csabar Polgár bestreitet die Eröffnung am 28. September mit "Julius Cäsar", frei nach Shakespeare. Acht Premieren stehen an, gewichtige Werke der Weltliteratur sind darunter: Abdullah Karaca setzt den "großen Gatsby" auf der Kleinen Bühne in Szene, ohne Leonardo DiCaprio, aber sicherlich einfallsreich (Premiere am 15. Oktober). Stückl inszeniert selbst zweimal, begibt sich mit "Ghetto", nach dem Stück von Joshua Sobol, in die Nazi-Zeit und taucht mit dem Projekt "Siegfried" in den deutschen Mythos ein. Und zum Spielzeitfinale hievt Simon Solberg "Moby Dick" auf die Bühne.
Die letzte Spielzeit war die besucherstärkste des Volkstheaters: 113.743 Zuschauer besuchten die 368 Vorstellungen in der letzten Saison, so viele wie noch nie, mit einer Platzauslastung von 84,1 %. 27 % davon sind Studenten und Schüler, also die Jugend kommt ins Haus, aber auch ältere Semester, und zwar in wachsender Zahl, obwohl es kein Abo gibt. Der "Brandner Kaspar" steht nach der 250. Aufführung bei 170.000 Besuchern und das Festival "Radikal jung" verzeichnete eine Auslastung von 95,4 %.
aus: Abendzeitung München, 14./15.9.2013, online + Print

Die Spielzeit 2014/2015 des Münchner Volkstheaters steht fest
Acht Premieren und zahlreiche Gastspiele sind in der Spielzeit 2014/15 im Münchner Volkstheater zu sehen. Neben bekannten Stücken wie "Kinder der Sonne", "Woyceck", "Kasimir und Karoline" und "Nathan der Weise" wird es im März auch eine Uraufführung geben, wie Intendant Christian Stückl am Freitag bekanntgab. Unter dem Titel "Siegfried" hat sich Autor Feridun Zaimoglu der berühmten Sagenfigur genähert, Stückl selbst wird Regie führen. "Es wird ganz spannend, das auf die Bühne zu bringen", sagte der Intendant. Das Stück war bereits für die vergangene Spielzeit angekündigt, dann aber verschoben worden. "Siegfried" ist eine Auftragsproduktion für Maximilian Brückner und die Riederinger. Premiere ist am 19.3.2015 (voraussichtlich).
aus: Abendzeitung München, 12.9.2014

Endlich gefunden und beschlossen: Ein neuer Platz für das Münchner Volkstheater - Christian Stückl zieht in den Viehhof.
Der Münchner Stadtrat hat sich für einen Umzug des Volkstheaters auf das Viehhof-Areal an der Tumblingerstraße ausgesprochen. Auf dem Gelände ist Platz für die bisher sehr beengten Neben- und Betriebsräume des Theaters. Auch eine zweite Bühne für 250 Zuschauer und ein gastronomischer Betrieb als Nachfolger des Volksgartens am ursprünglichen Standort ist vorgesehen. Der Mietvertrag mit dem Eigentümer der jetzigen Spielstätte - einer umgebauten Sporthalle in der Brienner Straße, dem Bayerischen Fußballverband, endet am 31. Dezember 2020.
Quellen (u.a.): Abendzeitung München und Süddeutsche Zeitung, 17.12.2014

Interview mit Christian Stückl
... "Siegfried" von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel ist eine radikale Mythenzertrümmerung, ein Mordsspaß, derb, klug und eine Freude beim Lesen - vielleicht das nächste 'Kultvolksstück'. Vor zwei Jahren saßen der Herr Zaimoglu und ich beim Kaffee. Ich hatte eine Sehnsucht nach einem Auftragswerk, und fragte ihn, ob er sich vorstellen könne, eine große deutsche Sagengestalt auf die Bühne zu bringen. Ursprünglich wollte ich mal wieder etwas mit Maximilian Brückner und den Riederingern machen. Dann hatte der Maxi aber einen schweren Bandscheibenvorfall [im Dezember 2014 und konnte daher auch von Januar bis März 2015 nicht spielen], wir mussten den Plan erst einmal beiseite legen und fingen an, in eine ganz neue Richtung zu denken. Wir haben viel Musik, aber das klingt nicht nach Wagner. Aber mit den Riederingern hätte es auch nicht nach Wagner geklungen. ... Irgendwann kommt man an dem Punkt, da sagt man sich: Jetzt bin ich schon so lange da, jetzt müssen wir mal neue Stücke erfinden, sonst müssen wir wieder von vorne anfangen. Premiere ist am 27. März 2015.
In einer Hinsicht bleibt ja doch immer alles gleich - der "Brandner Kaspar" feiert am 7. April sein zehnjähriges Jubiläum. Hätten Sie vor zehn Jahren gedacht, dass Sie in zehn Jahren das Stück immer noch spielen werden?
Stückl: Wir wollten ja damals ganz etwas anderes machen, nämlich mit den Riederingern zusammen die "Dreigroschenoper". Davor hatten wir ja "Räuber Kneißl" und "Geierwally" gemacht. Dann war Dieter Dorn ans Bayerische Staatsschauspiel gewechselt, und meinte in der Zeitung, ich sollte einen neuen "Brandner Kaspar" machen, der passe zum Volkstheater - die uralte Inszenierung war ja abgesetzt. Daraufhin schrieb ich Dorn einen Brief, er solle sich doch bitte um seinen Spielplan kümmern, aber nicht um meinen. Da war ich erst mal grantig.
Aber wie kam es dann doch zum "Brandner"?
Stückl: Wir waren in der Vorbereitung zur "Dreigroschenoper", hatten einen Musiker beauftragt, die Musik neu zu arrangieren. Und da sagte der Suhrkamp-Verlag: Wir dürfen nicht. Also, was sollten wir machen? Die Riederinger hatten sich Zeit genommen, die Schauspieler - da beschlossen wir, jetzt lesen wir ihn halt doch mal, den blöden "Brandner". Ja, und dann konnte ich mir gut vorstellen, dass der Maxi Brückner den Tod spielt, als junges Gegenbild zum Toni Berger, der den ja so lange gespielt hat. Ja, dann haben wir das halt gemacht. Dass es dann zehn Jahre werden würden, daran hat niemand gedacht. Jetzt haben wir bisher 280 Vorstellungen.
Vollständiges Interview von Egbert Tholl in der Süddeutschen Zeitung, 26.3.2015

In der Spielzeit 2015/16 des Münchner Volkstheaters, dem Theater der Stadt München in der Briennerstraße 50, wird es 10 Premieren geben, zwei davon auf der Kleinen Bühne. Die Spielzeit wird am 24. September 2015 mit "Sein oder Nichtsein" von Nick Whitby nach dem Film von Ernst Lubitsch eröffnet. Mina Salehpour führt Regie.
11 Premieren gab es in der Spielzeit 2014/15 am Münchner Volkstheater. 110.041 Zuschauer besuchten das Münchner Volkstheater. Die Platzauslastung lag bei 84,8 % bei 353 Vorstellungen davon waren 65 Konzerte und Lesungen bei einer Auslastung von 93,9%. 26% der Besucher waren Schüler und Studenten. Das elfte Festival "Radikal jung" vom 18. April bis 25. April 2015, das seit 2011 auch internationale Arbeiten zeigt hatte bei 17 Vorstellungen eine Auslastung von 90 % und wurde von über 4000 Zuschauern besucht. Innerhalb einer Woche waren 11 herausragende junge Regisseure zu sehen, acht davon Uraufführungen.
aus: Pressemeldung des Kulturreferats der Landeshauptstadt München, 11.9.2015

Neues Münchner Volkstheater kommt aufs Viehhofgelände
Der Münchner Stadtrat hat sich heute mehrheitlich für den Neubau des Volkstheaters auf dem Viehhofgelände ausgesprochen
Lange wurde über dieses Projekt diskutiert: Ist ein Neubau für Münchner Volkstheater notwendig? Wie teuer wird er? Und wo soll er überhaupt entstehen?
Die Antworten haben das Kultur- und Kommunalreferat gegeben, der Münchner Stadtrat hat sich heute mehrheitlich ausgesprochen: Ja, der Neubau ist notwendig, wenn man das Volkstheater erhalten möchte. Der Mietvertrag der alten Spielstätte, die eigentlich nicht für einen Theaterbetrieb geeignet ist, läuft Ende 2020 aus. Nach dem Willen des Münchner Stadtrats soll das laut CSU-Ratsfraktion auf 110 Mio. bis 130 Mio. Euro und laut SPD-Ratsfraktion auf 130 Mio. Euro zuzüglich Risikoreserve taxierte Projekt bis 2020 fertig sein, mit der spätesten Aufnahme des Spielbetriebs bis zum September 2021. Als Standort wurde das dafür passende und charmante Viehhofgelände ausgewählt.
Stadtrat Richard Quaas, kulturpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion, sagte: "Das Konzept ist schlüssig und gut durchdacht. Wir bekommen einen funktionales, modernes und städtebaulich interessantes Theater auf dem Viehhof." Die Verwaltung wird nach diesem Beschluss einen Generalübernehmer beauftragen, das Projekt bis 2020 fertigzustellen. "Das ist zugegebenermaßen ein ambitionierter Zeitplan. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir keinen Interimsstandort suchen müssen und den Mietvertrag notfalls etwas verlängern können", so Quaas. "Es ist schon ein enormes Bekenntnis zur kulturellen Vielfalt Münchens, wenn die Stadt selbst ein Theater baut. Uns ist bewusst, dass wir Finanzierungsengpässe hätten, wenn wir alle anstehenden Kulturprojekte auf einmal realisieren würden. Daher haben wir uns dafür entschieden, das drängendste Projekt sofort zu beauftragen", so Stadtrat Richard Quaas weiter. "Wir gratulieren dem Intendanten Christian Stückl zum Neubau. Er hat sich immer mit viel Herzblut für das Projekt eingesetzt. Wir wünschen uns, dass er uns noch lange erhalten bleibt und dann im neuen Volkstheater Aufführungen inszeniert."
Quellen: Bayerische Staatszeitung, Immobilienzeitung und münchen.de, 15.6.2016

So wird die 16. Spielzeit des Volkstheater-Intendanten: Stückls neue Stücke
In der neuen Saison, die im Haus an der Brienner Straße am 27. September 2017 mit der Premiere von William Shakespeares "Romeo und Julia" (Regie: Kieran Joel) eröffnet wird, inszeniert Christian Stückl zum ersten Mal ein Stück des Russen Anton Tschechow: Man läuft vor Tschechow immer ein bisschen davon, weil man sich fragt: Wie stellt man auf der Bühne Langeweile dar? In der "Möwe" stehen zum Glück alle unter Strom. Stückls Arbeit hat am 26. Oktober Premiere.
Für die zurückliegende Saison 2016/17 konnten der Intendant und Münchens Kulturreferent Hans-Georg Küppers bei der Pressekonferenz erneut positive Zahlen vermelden. Die Platzauslastung lag bei 80,3 %, es wurden 106.122 Zuschauer gezählt. Als er angefangen habe, berichtet Stückl, seien rund 50.00 Zuschauer pro Jahr gekommen.
Für viel mehr Gäste ist sein Theater auch gar nicht ausgelegt - eine Kapazitätssteigerung gibt es erst im geplanten Neubau an der Zenetti-/Tumblingerstraße. Läuft alles nach Plan, wird das neue Volkstheater am Viehof mit der Spielzeit 2020/21 eröffnet.
aus: TZ München, Druckausgabe, S. 21 und Münchner Merkur, 16./17.9.2017

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Die Schauspielerwand vorm Eingang zum Volkstheater ~ ~
Fotos: Gabriele Neeb - Anklicken zum Vergrössern

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Spielzeit 2009/10 Click to enlarge Click to enlarge Click to enlarge

Spielzeit 2010/11 Click to enlarge Click to enlarge Click to enlarge

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"Tanz"

Spielzeit 2012/13
"Protest"
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Seite erstellt am 17. Februar 2010 von EFi ,
zuletzt ergänzt am 17. September 2017
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