Premiere am 7. April 2005
Besetzung:
Alexander Duda - Kaspar Brandner
Maximilian Brückner - Boandlkramer
Kathrin von Steinburg / Susanne Brückner - Marei (ab
Spielzeit 2013/14 Doppelbesetzung)
Stefan Murr - Florian, Taglöhner
Markus Brandl - Simmerl, Jäger
Wilfried Labmeier - Bürgermeister Senftl / Nantwein (jetzt:
Hans Schuler)
Ursula Burkhart - Theres / Traudl
Tobias van Dieken - Kai-Uwe von Zieten / Hans-Joachim von
Zieten
Peter Mitterrutzner - Portner Petrus
Hubert Schmid - Erzengel Michael
Agnes Staber - die seelige Afra
Josef Staber - Luzifer
Bauern / Jagdhelfer / Engerl: u.a. Dominikus Brückner,
Florian Brückner, Andreas Buntscheck, Simon Daxlberger,
Andreas Engelmann, Franz Maier, Sebastian Schwaiger, Franz
Staber, Martin Weyerer |
Stab:
Regie: Christian Stückl
Bühne: Alu Walter
Kostüme: Ingrid Jäger
Dramaturgie: Volker Bürger
Lichtdesign: Günther E. Weiß
Musik: (Junge) Riederinger Musikanten
Musikalische Mitarbeit: Markus Zwink |

Ein
Volksstück als Sterbehilfe
Auch in seiner aktuellen Neuauflage ist "Der Brandner Kaspar und
das ewig' Leben" ein Dauerbrenner
Einen ungewöhnlichen Erfolg feiert an diesem Samstag das
Münchner Volkstheater: die
100. Aufführung der Komödie "Der Brandner Kaspar und
das ewig´ Leben". Premiere war vor fast genau zwei Jahren.
Volkstheater-Intendant Christian Stückl als Regisseur ist ein
praller Theaterspaß gelungen, an dem in der köstlich
ausgespielten Rolle des Boandlkramers wesentlichen Anteil der
junge Maximilian Brückner hat, "Shooting Star 2007" bei der
Berlinale und seit 2006 auch ARD-Tatort-Kommissar in
Saarbrücken.
Dass die Schmonzette nun auch im Münchner Volkstheater zum Hit
geworden ist (in der Pause hört man Besucher erzählen, sie seien
schon zum dritten oder vierten Mal in der Aufführung und würden
demnächst noch Freunde dazu einladen), mag noch einen
eigentümlichen Grund haben, über den Kurt Wilhelm bezüglich
seines Residenztheater-Erfolgs berichtet hat. Immer wieder sei
von einem "Trosteffekt" durch das Stück gesprochen worden. Das
habe er anfänglich nicht ernst genommen, bis ihm Angehörige
erzählten, dass ein Sterbender vom Brandner-Himmel geredet und
dass ihm der Gedanke daran Trost und Hoffnung bedeutet habe.
Oder: "Sein letzter Wunsch war, noch einmal den Brandner auf dem
Fernseher anzuschauen. Danach ist er ruhig entschlafen."
Kurt Wilhelms Resümee: Ein Märchen, eine Legende kann die
Todesangst besänftigen und sich als Trost und wahre Sterbehilfe
erweisen.
Friedrich Kraft, Sonntagsblatt Bayern, Ausgabe 16/2007 vom
22. April 2007
Frohlocken
und Hosianna
Münchner Volkstheater: "Wenn der Stückl sagt: Spring abi,
dann springen sie." Sepp Staber, sozusagen der Vater der
Jungen Riederinger, ist ganz Herr der Lage. Aus seinen Augen
funkelt's. Eine Mass in der Hand, angelehnt an der Theke der
Theaterkasse, hat er das muntere Treiben im Foyer fest im
Blick. Längst schon haben die Riederinger München und sein
Volkstheater erobert.
Für Intendant Christian Stückl sind sie unverzichtbarer
Bestandteil des Ensembles. Wenngleich sie alle im täglichen
Leben ihrem "bürgerlichen" Beruf nachgehen. Die Riederinger,
diese hinreißenden Plattler, Sänger, Spieler und Musiker,
gehören einfach dazu.
"Mia han Hundert" verkündet ihr Plakat, groß aufgehängt an der
Fassade des Volksgartens.
Und so passt das Jubiläum des Trachtenvereins perfekt zu dem
des Volkstheaters: Am Samstag, den 21. April gab‘s die
100. Vorstellung von Christian Stückls Inszenierung
"Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben". Und das innerhalb
von nur zwei Jahren. Respekt.
Frohlocken und Hosianna. Der Stückl und seine Leut‘ haben den
550 Zuschauern den Himmel, den weiß-blauen natürlich, auf
Erden beschert: mit dieser temperamentvollen Aufführung
zwischen Gaudi und Melancholie. Und natürlich auch mit dem
großen Fest danach. Freibier von Paulaner, Bierbänke im Foyer,
sieben Blaskapellen. Eine Stimmung, wie man sie sich hier
schöner nicht ausdenken kann.
Ein Geben und Nehmen zwischen Bühne und Parkett. Das
hochanimierte Publikum zeigte sich von seiner großzügigen
Seite. Es bejubelte nicht nur Maximilian Brückners so
abgründigen wie abgefeimten Boandlkramer; nicht nur Alexander
Dudas deftigen und hinterkünftigen Brandner Kasper; nicht nur
die Riederinger und das ganze himmlische Personal.
Nein, Riesenbeifall auch für den einzigen Preußen für Tobias
van Diekens virtuosen Kai Uwe von Zieten. Am Ende wurden sie
alle gefeiert. Am meisten Christian Stückl, dieser Wundermann,
der sich in einer improvisierten Rede bei allen Beteiligten
bedankte; zuerst bei der Souffleuse Anna Münzer, "die seit
hundert Vorstellungen unten sitzt und darauf wartet, dass
irgend jemandem der Text nicht einfällt". Und er
verspricht: "Die 1000. Vorstellung werden wir wohl nicht
schaffen, aber vielleicht können wir Euch alle zur 200.
wieder einladen."
So lange werden die meisten nicht warten wollen. Denn unter
den Zuschauern waren jene, die den "Brandner Kaspar" zum
ersten Mal sahen, eindeutig in der Minderheit. Nicht wenige
waren zum sechsten, siebten, achten Mal oder noch öfter in
dieser Aufführung. Wie Siegfried Gerg aus Bad Tölz, der der
Truppe sogar bis nach Brasilien nachreiste. Heuer aber hat das
Volkstheater ihm etwas ganz Besonderes geboten: Es ließ seinen
begeisterten Fan die Vorstellung hinter der Bühne miterleben.
Ein Blick ins Paradies. Für die Theaterleute und ihre Besucher
ein einziges großes Fest.
Fazit: Kultur & Leben.
Spätschicht
Alexander Runte begleitet einen Abend den Inspizienten Danny
Raeder und bekommt nicht nur einen Einblick in dessen Arbeit,
sondern auch Kunstschnee auf den Kopf.
19:03 Uhr: Bevor es losgehen kann, muß Danny noch hoch hinaus:
über eine Leiter klettert er in den Schnürboden oberhalb der
Bühne und überprüft von dort die Technik und die Requisite. Doch
bei der 109. "Brandner"-Aufführung paßt alles. Sogar die
Baumstümpfe stehen diszipliniert an der richtigen Stelle.
19:33 Uhr: Ein kurzer Blick in den Zuschauerraum, dann gibt
Danny das Signal: "Los geht's!" - mit dem letzten
"Brandner Kaspar" vor der Sommerpause. Während die
Jagdgesellschaft zur Musik der Riederinger über die Bühne
stapft, tanzen Danny und die Techniker Hip-Hop-Schritte im Takt
der Blasmusik.
20:05 Uhr: Im Textbuch blättert Danny eher beiläufig zu den
Stellen, an denen er Schauspieler ausrufen, die Techniker zum
Umbau herzitieren oder den Beleuchter anweisen muß: "Was das
Stück betrifft, sind wir alle schon geschädigt, wir kennen es
in- und auswendig", sagt er. Die Honorarabrechnungen für
die Gastschauspieler kann er da auch noch parallel
unterschreiben. Es bringt ihn noch nicht mal aus der Ruhe, daß
es jetzt auf uns runterschneit - die Techniker testen nämlich
den Kunstschnee auf unseren Köpfen aus. Herzlichen Dank auch.
21:16 Uhr: Der schönste Moment bei jedem "Brandner" ist für
Danny die Pause, denn da bekommt er eine Weißwurst. Und weil er
heute Geburtstag hat, gibt es noch einen kleinen Kuchen und ein
Ständchen der Riederinger dazu. In den jugendfreien Stellen geht
es, so viel darf man verraten, um Schnäpse, die unbedingt
getrunken werden müssen.
21:20 Uhr: Die Schauspieler rotten sich um Danny und seine
Monitore zusammen. Er steuert mit einem Joystick die
Bühnenkamera über den Zuschauerraum und das eigene Publikum
hinweg. Fazit: Heute sind nur wenige Trachtler da, die vielen
hübschen Frauen machen das aber leicht wett.
22:52 Uhr: Donnernder Applaus und Dannys letzte Amtshandlungen:
Zuerst koordiniert er den Schauspielerpulk beim Einzelapplaus,
und dann, nach Ende der Vorstellung, ruft er sein Schlußwort ins
Mikrofon: "Man sieht sich wieder!" - der nächste
"Brandner" kommt bestimmt.
Volksmund Nr. 2, 2007/08
Boandl
&
Me
Ich
gehöre
ja zu denen, die mit der Inszenierung im Residenztheater
aufgewachsen sind. Um Weihnachten rum wurden wir als so
Zehnjährige jedes Jahr entweder zu Humperdincks Oper
'Hänsel und Gretel', ins Ballett oder eben in den
'Brandner Kaspar' mitgenommen. In dem Alter fand ich das
Ganze recht beeindruckend, und als die Inszenierung 1975
ins Fernsehen kam, wurde sie bei uns fast zum
alljährlichen Allerheiligen-Pflichtprogramm. Aber es
dauerte nicht lange, und die gemalten Kulissen und das
ganze Künstliche wurden mir zu fad. Und Theater als
solches konnte mir auch gestohlen bleiben.
Shakespeare auf Englisch in diversen Inszenierungen in
London, Stratford und New York brachte mich Jahre später
langsam wieder auf den Geschmack. Dann kam Shakespeare
auf Deutsch dazu, und mit dem Besuch von 'Was ihr wollt'
auch mein erster Kontakt mit dem Volkstheater.
Aber es brauchte doch tatsächlich die Ausstrahlung einer
Aufzeichnung der neuen Brandner-Inszenierung von
Christian Stückl an Allerheiligen 2006, die
Dokumentation 'Bayernhimmel überm Zuckerhut - der
Brandner Kaspar in Rio' im Mai 2007 und Kritiken und
Premierenphotos der Stückl'schen 'Peer
Gynt'-Inszenierung vom März 2008 mit dem mich höchst
beeindruckenden Maximilian Brückner in der Titelrolle,
um mich zuerst in besagte Inszenierung zu locken, und um
mich danach um Karten für den 'Brandner Kaspar' zu
kümmern.
Und das hatte fast gar nichts mit Maxi Brückner zu tun
.... aber nur fast ....
Am Samstag, den 19. Juli 2008 war dann also der große
Abend: Ich sollte die inzwischen beinahe sagenumwobene
Inszenierung (denn für Karten sollte der zukünftige
Besucher wie seit der Premiere am 7. April 2005 besser
Stunden vor Vorverkaufsbeginn am Theater sein oder eine
schnelle Internetverbindung haben, um zumindest eine
kleine Chance auf eins der Tickets zu haben) endlich mit
eigenen Augen live erleben. Und "erleben" ist auch die
richtige Beschreibung für das was da abgeht. Viel
Publikum an diesem Abend trug Tracht, und es bestand zum
großen Teil aus Riederingern, die, wie mir meine von
dort stammenden Sitznachbarn erklärten, immer zu
"runden" Vorstellungen, oder zum Saisonende besonders
eingeladen würden. Diese Brandner-Vorstellung war die
letzte der Saison, und - ebenfalls nach Auskunft meiner
Nachbarn - möglicherweise auch Maxis letzte. Schon zur
Pause eine Schreckensvision für mich! Es war aber
zumindest die letzte Vorstellung mit Souffleuse und
Florian Brückner, denn sie wurden an diesem Abend
verabschiedet.
Vom Aufgehen des Vorhangs an war Stimmung im Saal,
besonders gelungene Textpassagen wurden mitgesprochen -
ich kam mir ziemlich allein vor. Alle um mich rum
lachten immer schon Sekunden bevor es für mich lustig
wurde. Meine Erinnerung an die "alte" Inszenierung war
wirklich verblaßt, aber bei manchen Textstellen fiel mir
die Neufassung schon arg positiv auf.
Ganz zu schweigen vom Boandlkramer! Was mich früher an
der piepsigen Stimme und dem Rumgeschleiche so genervt
hatte, war jetzt ganz anders: Ein biegliches Männlein,
mit einer Stimme die mühelos zwischen Verführung, Wut,
Scham und alkoholgeschwängertem Lallen hin und her
wechselt, und einer Körperlichkeit, die irgendwie wohl
himmlisch sein muß. Wer sonst kann schon auf einem Zeh
und Ellbogen zwischen zwei Tischen hängend balancieren
und dabei noch Karten spielen?
Maxi hat offensichtlich keinen einzigen Knochen im
Körper, so hüpft er rum, rauf und runter, bleibt im Text
nicht hängen, und sieht so bemalt wie er ist, irgendwie
wirklich ganz dürr und klapprig aus. Was er im wahren
Leben definitiv nicht ist - ich hatte ihn ja vorher
schon in einigen Filmen erlebt und in Peer Gynt in der
Unterhose in der Wüste rumturnen sehen. Schmal ist er
ja, aber schön und gut gebaut.
Der ganze Abend war eine Höllengaudi, und wie fast alle
wollte ich wiederkommen. Mit einem Mal anschauen kriegst
ja höchsten die Hälfte mit! Inzwischen sind's schon
einige Male geworden (auch nach Oberammergau* bin ich letzten
Sommer deswegen gefahren), sogar in der 1. Reihe saß ich
schon mal und es werden, so lange Maxi den Boandlkramer
spielt sicher noch einige Besuche dazu kommen. Familie
und Freunde waren auch schon mit dabei, und inzwischen
gehe ich auch wieder regelmäßig in andere
deutschsprachige Inszenierungen und Theater. Sogar wenn
Maxi nicht mitspielt .... aber mit ihm auf der Bühne
macht's schon mehr Spaß!
Das Bayerische Fernsehen hat sich leider seit 2007 -
angeblich wegen der zahlreichen Zuschauerwünsche -
entschieden, an Allerheiligen wieder die "alte"
Inszenierung ins Programm zu nehmen. Sie geht mir wie
damals so auf die Nerven, daß für mich nach höchsten
fünf Minuten Schluß ist, ich abschalte und nachschaue,
wann denn der Vorverkauf für die nächsten Turnübungen
mit’m Boandl und den obdrahten Engerln beginnt.
©
EFi, im März 2010
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"How to jump on a Diesch like a
Boandlkramer"
vorgeführt im Hofgarten
anlässlich der Premiere vom "Räuber Kneissl"-Film am 19.
August 2008.
Maxi ist in seine
Theaterrolle des Boandlkramers geschlüpft und zeigt die
hohe Kunst des Tischspringens. |
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Den
Tod
mit Kirschgeist "lallert" machen - Den Tod mit Kirschgeist
abfüllen
Panik im Himmel der Bayern. Ein Preuße will rein. Alle Engel -
sehr neckische Engerl: halbnackt, nur mit Lederhosen und
Flügeln bekleidet - stemmen sich mit Vehemenz gegen die Tür.
Der Portner (Himmelspförtner Petrus), der gerade vom
Weißwurst-Essen kommt, muss die Gemüter beruhigen: "Koa
Angst, mir lassen s' scho net rei. Sonst wär's ja koa
Paradies nimmer", und präpariert sein Personal dafür,
dass es sich von den Redelawinen der Preußen nicht
beeindrucken lässt: "Die Preußen sprechen ihren ganzen
Denkvorgang mit. Der Bayer gibt nur's
Ergebnis bekannt."
Das Publikum im Münchner Volkstheater hat auf diese längst
sprichwörtliche Pointe nur gewartet und jubelt. Christian
Stückls "Der Brandner Kaspar und das ewig'
Leben"-Inszenierung, die 2005 Premiere hatte und mittlerweile
die hundertsechzigste ausverkaufte Aufführung verzeichnet, ist
auf dem besten Weg zum Kultphänomen.
Stückl hat eine kantigere, wildere, eigenwillige Version aus
seiner Vorlage geschnitzt: der Dramatisierung des
Brandner-Stoffes durch Kurt Wilhelm, die 1975 im
Residenztheater uraufgeführt wurde und es zu phänomenalen
eintausend Aufführungen brachte.
Und das Volkstheater-Publikum geht begeistert mit. Von Anfang
an wird mitgeklatscht, wenn die Riederinger Musikanten
aufspielen, viele Zuschauer kennen die Text-Highlights
auswendig, und so stellt sich die Vision ein, dass sich
demnächst im Volkstheater Szenen abspielen werden wie einst
bei der Rocky Horror Picture Show.
Da werden dann im Zuschauerraum als Boanlkramer (der
leibhaftige Tod) Maskierte sitzen, neben den Engeln, und jenen
(die gestrenge Fraktion), die sich lieber als
flammenschwertschwingender Erzengel Michael verkleiden, und
die Stimmung wird beim Preußen-Bashing den Siedepunkt
erreichen.
Aus: Rainer Gansera, Süddeutsche Zeitung, 15. Oktober 2008

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Hilfe
für
die Münchner Aids-Hilfe
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Welt-Aids-Tag
2008 - Vorstellung am 2.12.2008
Schon traditionell zum Welt-Aids-Tag sammelte
das Münchner Volkstheater vor ausverkauftem Haus
anlässlich ihrer Kultinszenierung "Der Brandner
Kaspar und das ewig' Leben" für die Münchner
Aids-Hilfe.
Brandner, Boandl und die Jungen Riederinger
Musikanten entlockten dem Publikum stattliche
1111 Euro. Damit konnte das Volkstheater das
Ergebnis aus dem Vorjahr noch toppen. |
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Welt-Aids-Tag 2009 -
Vorstellung am 2.12.2009
Die Jungen Riederinger spielten in der Pause auf, und
bei den Schleifen mußte Nachschub geholt werden.
Dank den Zuschauern und der Besetzung des Brandner
Kaspars sowie des Juli Zehs-Stück "Der Kaktus", das
parallel in der Kleinen Bühne gezeigt wurde, und einer
zusätzlichen Spende kamen 1333 Euro zusammen.
Welt-Aids-Tag 2010 - Vorstellung am 30.11.2010
Dieses Jahr kamen leider nur 898 (905) Euro zusammen,
aber da auch heuer wieder die Schleifen kurzzeitig
ausgegangen waren, will die Geschäftsführung der
Münchner Aidshilfe im nächsten Jahr dafür sorgen, daß
das nicht wieder passiert.
Informationen zur Münchner Aids-Hilfe e.V.
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Screencaps:
EFi
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Da
Boandl
&
i - auf a Neies!
Am
Sonntag,
26. September 2010 nammidogs wars wieda soweit:
Der "Wiesn Brandner" stand aufm Programm vom
Volkstheater, wia oiwei zum Beginn von der neien
Spuizeit, samt dem gemeinsamen Besuch der Wiesn
hinterher. Und dieses Moi war i a mit dabei, zsamm
mit einer Freundin. Sonst san scho a ziemlich vui
Leit in Tracht im Publikum, aber am Sonntag warn de
ohne arg in der Minderheit. Sogar i hob mi in die
'leichte Nichtfaschingskostümierung' gschmissen.
Unsere Plätze warn in der Mitte der 2. Reihe, oiso
ein wunderbarer ungestörter Blick aufs Wesentliche.
Und wos mi jedes Moi wieda fertig macht, is Maxis
Kunst selbst wann er auf der Bühne eigentlich 'groß'
spuin muaß, er gleichzeitig a ganz 'kloa' und nur
mitm Gsicht spuin konn.
Zur neien Saison ist der Bühnenboden frisch
renoviert und bemalt worn und die Bodenklappen haben
neie Scharniere kriagt. Ma hörts!
De Schauspieler ham ja schon normalerweise an Hauffa
Spaß, aber wia i dann späda vom Tobias van Dieken
glernt hob, is die Wiesn-Vorstellung jedes Jahr wos
Bsonders. Sie ham auf der Bühne scho a ganz schee
vui glacht, ned blos mir vor der Bühne.
Und danach samma alle - Schauspieler, Techniker und
Publikum, und später san dann a no andere
Schauspieler vom Volkstheater nachkemma, aber ohne
an Chef Christian Stückl, weil der war ja in
Oberammergau - auf d'Wiesn ins Winzerer Fähndl
gfahrn.
Da hintere Balkon dort war ganz fürs Volkstheater
reserviert, und mir zwoa ham das Glück ghabt, daß
unsere Plätze mit am extra guaten Blick auf Maxi in
voller Tracht und Pracht (olle Riederinger Manna
sauba in die Kurzen, und Agnes Staber im Dirndl, was
bestätigt hod: "De mit'm Huat san guat" -
nur die Gamsbärte und Federzier hams dahoam g'lassn
ghabt) warn. Ah de anderen Schauspieler aus Bayern
warn in Tracht.
Und da hob i endlich die Chance ghabt amoi mit Maxi
zum reden - und es hod sich bestätigt, was alle, die
mit eahm zsamm'arwaten oder eahm interviewen ham
derfa, über eahm gsogt oder gschriebm ham - er is
einfach a Schatz! Er schaut wirklich guat aus, is
super nett und bescheiden, hod an angenehm festen
Händedruck - blos leider wuchert scho wieda der
Gesichtspelz.
Er konn gar ned verstehen wia dengga auf englisch
geht - ja mei, auf deutsch kann ich das halt nicht,
und bairisch dengga und dann englisch reden geht a
ned! - und dass sich jemand nur wega eahm de Arwat
macht a Webseite zum führen.
Sei Bruader Dominikus is mindestens genauso nett,
und schaut fast so guat aus wia Maxi. Für den
dritten Brückner-Bruader Florian war ja leider die
letzte Brander-Vorstellung der letzten
Volkstheater-Saison sei letzte. Er hod woi koa Zeit
mehr. Oda da Kardinal Richelieu ois neia Dienstherr
war einfach zu verführerisch.
Nachdem der Festwirt Peter Pongratz seine Gäste vom
Volkstheater begrüßt hatte, wurde der Preuße 'von
Zieten' (oda vuimehr der Tobias van Dieken, der
eigentlich aus Bonn stammt), zum Dirigieren runter
zum Orchester geschickt - es war sei Auftrittsmarsch
von der Bühne - den hod er ja im Griff!
As Essen war guad und reichlich, as Bier süffig -
aber des von der Traditionswiesn hod mia besser
gschmeckt.
Irgendwann war dann Ende mit der Musik und die
Ordner ham versucht, uns an die frische Luft zum
kriegn. De mehran Leit warn scho weg, aber de
Riederinger ham Sitzfleisch. Mia zwoa san dann
ganga, aber de warn no guat dabei. Es war zwar
zapfig koit, aber mia san ohne Probleme über de
ganze Wiesn zum Hauptbahnhof kemma, und ham am
Montag koan schweren Kopf ned ghobt.
Leider hod de Kamera, wia schon weiland im August
2008 bei der Premiere vom 'Räuber Kneissl', wos mas
neigregnet ghabt hod, scho wiada an Geist aufgem.
Aba i glab, i hobs no ned erwähnt - Maxi schaut guat
aus und is so was von nett!
©
EFi, im September 2010
|
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Die
200.
Aufführung des Brandner Kaspar im
Volkstheater am 11. Dezember 2010 - die Macher
im Interview
Intendant Christian Stückl und Schauspieler
Alexander Duda über das Erfolgsgeheimnis des
Boandlkramer - und wie wir alle den Tod im Leben
ganz gern ein bisserl bescheißen. Am Samstag
wird der Brandner Kaspar im Volkstheater zum
200. Mal aufgeführt.
AZ: Herr Stückl, Herr Duda, das Paradies selbst
sieht man im Brandner Kaspar nicht. Aber als der
Brandner reinschaut, sieht es aus wie seine
Heimat. Ist das bayerischer Größenwahn?
CHRISTIAN STÜCKL: Es ist auf jeden Fall die
Gewissheit, dass es dort nicht schlechter ist
als daheim. Und es ist eine sehr kindliche
Vorstellung. Denn solange wir Kinder waren,
haben wir alle ans Paradies geglaubt und hatten
da Bilder davon. Erst später kommt man ins
Wanken: Wie viel ist dann da? In dem Stück
taucht man wieder bissl in die Naivität des
Kindes ein.
ALEXANDER DUDA: Deswegen macht es die Herzen
auf.
STÜCKL: Meine Tante hat auch gedacht, dass
danach nix ist und hat immer so ein Lied
gesungen: "30 Jahre in der Gruft, in der Gruft,
da kommt der Holzwurm angeschlurft,
angeschlurft." Und als sie dann tatsächlich im
Sterben lag, hat sie zu meiner Mama gesagt:
"Roswitha, hol den Pfarrer. Sicherheitshalber."
AZ: Josef Vilsmair hat nach Ihrem Erfolg mit
Bully einen Brandner-Film gemacht. Sind Sie da
stolz drauf oder nervt das?
STÜCKL: Vilsmaier ist ja zu mir gekommen und hat
gesagt, er möchte den Brückner als Boandl und
ihm gefällt auch das Gwand so gut. Und dann
möcht er auch noch die Musiker aus Riedering
haben. Dann hab ich gsagt: "Soll ich da des
Gwand auch gleich mitliefern?" Vilsmaier hat mir
vorgeschlagen, ich würde im Abspann als
"Himmelsberater" auftauchen. Ich hab' mir nur
gedacht: Fällt euch gar nix eigenes mehr ein?
Aber letztlich haben wir was angeschoben, so
dass der Vilsmair auch gemerkt hat, dass das ein
gutes Stück ist.
AZ: Wieso haben Sie ausgerechnet das Stück
gemacht, das im Resi Kult war?
STÜCKL: Dieter Dorn hat den Brandner 2001
abgesetzt. Als sie ihn empört gefragt haben,
warum, sagte er, den soll der Stückl machen, zu
dem passt des. Ich habe ihn angerufen und
gesagt: "Dieter, mach du deinen Spielplan und
ich mach meinen." Ich hab mich geweigert. Ich
wollte mit den Riederinger Musikanten viel
lieber die Dreigroschenoper machen. Aber wir
haben die Rechte nicht bekommen, dass wir die
Musik uminstrumentieren dürfen. Also haben wir
gesagt: Bevor wir gar nix machen, mach mer den
Brandner.
AZ: Herr Duda, anfangs hieß es, Sie sind viel zu
jung für den Brandner. Hatten Sie Bedenken, an
einem Denkmal wie Fritz Strasser zu rütteln?
DUDA: Natürlich. Brückner haben auch alle für
viel zu jung gehalten. Aber wir haben von Anfang
an gesagt, wenn, dann müssen wir so frech sein
wie's nur geht. Christian hat uns ordentlich
angetrieben.
|
AZ:
Ihr Stimme klingt als Brandner komplett anders.
DUDA: Das ist
einigermaßen anstrengend. Und das ganze Gesicht
juckt.
AZ: Wie lange
dauert die Maske?
DUDA: Eine Stunde,
der Bart wird in Stücken angeklebt, damit er
beweglich ist, eine Perücke, die Schminke,
Augenringe, rote Nase, Falten.
AZ: Maxi Brückner
springt aus dem Stand mit den Füßen auf den Tisch.
Hat er sich diese Akrobatik selbst ausgedacht?
STÜCKL: Ich mache
auf der Bühne sehr viel vor. In dem Fall kann man
aber sicher sein, dass ich ihm garantiert nie
vorgemacht habe, wie er auf den Tisch springen soll.
DUDA: Das Geniale
daran ist, den Tod eben nicht als siechendes Gerippe
zu zeigen, sondern als jungen, schnellen Typen. Er
trinkt den Schnaps wie ein kleiner Bua, der zum
ersten Mal Schnaps trinkt - dadurch wird der Boandl
auch so sympathisch.
AZ: Manche
Feuilletons behaupten, der Reiz des Stückes sei der
respektlose Umgang mit Religion, Tod und Göttlichem.
STÜCKL: Ich denke
nicht, dass es respektlos ist. Am Aschermittwoch
haben wir zum Beispiel keine Weißwürscht auf der
Bühne, sondern Steckerlfische. Der Hintergrund ist:
Keiner weiß, wie man mit dem Tod umgehen soll. Und
beim "Jedermann" denke ich jedesmal, das ist
eigentlich zu schwer. Das Komödiantische ist für
mich der einzige Weg, wie man das aushalten kann.
AZ: Also ist der
Brandner Kasper eher tröstlich?
DUDA: Auch, ja. Es
ist ein naiver Glaube, ein Volksglaube, und der ist
ja fröhlich.
STÜCKL: Am letzten
Wiesnwochenende gehen wir nach der Vorstellung immer
mit allen Zuschauern auf die Wiesn. Da kam eine Frau
zum Maxi Brückner, hat ihm einen Kerschgeist
mitgebracht, mit ihm getrunken und gefragt: "Gibst
ma noch a paar Wochen?" Der Maxi sagt: "Freilich"
und sie: "Der Arzt gibt mir keine mehr." Sie wusste,
dass sie bald sterben wird, aber sie hat auch
gesagt: "Heut hab ich wirklich gelacht." Und es ist
ja schon eine schöne Vorstellung, dass die da oben
auch mal lachen.
AZ: Selbst in
Brasilien haben Sie den Brandner aufgeführt - mit
Untertiteln. Kann ein Brasilianer diesen Humor
verstehen?
STÜCKL: Bei den
Witzen über Jäger und Wilderer hat's nicht
funktioniert, den Unterschied gibt's dort einfach
nicht. Aber wenn der Petrus sagt: "Ich war grad ganz
oben, alle drei haben sie gelacht, und die Maria",
dann kapiert nur ein Teil der Münchner, dass es um
Dreifaltigkeit geht und sie brauchen lange dafür. In
Brasilien dagegen haben alle sofort schallend
gelacht.
DUDA: Immer wenn's
ins Katholische ging, waren die Brasilianer sofort
dabei. Das ist ja auch gelebter Katholizismus: Die
Freude darüber, dass der Brandner, der sture Hund,
der nicht dran glauben will, am Schluss geläutert
wird und oben steht und sagt: Jetzt fängt's Leben
erst richtig an.
STÜCKL: Worüber die
Brasilianer verwundert waren: Dass bei uns lauter
männliche Engel im Himmel waren. Nach deren
Vorstellung sind die Engel alle Mädels. Ich hab
gesagt, da sollten wir den bayerischen und den
brasilianischen Himmel zamschmeißen.
AZ: Ist das Stück
auch was für Nicht-Katholiken?
DUDA: Natürlich.
Selbst der ärgste Nichtgläubige steht ja am Ende da
mit dem Thema Tod, ob er will oder nicht. Das Stück
hat einen gigantischen Kern. Wenn zum Beispiel der
Petrus sagt: Es ist im himmlischen Plan nicht
vorgesehen, dass einer den Tod beim Kartenspielen
bescheißt.
STÜCKL: Man könnte
heute in einer modernen Inszenierung zeigen, dass
wir das letztlich alle tun würden, wenn wir könnten.
Mit Schönheitsoperationen und Antiaging und mit
jedem Krankenhaus versuchen wir ja letztlich alle,
den Tod ein bissl zu bescheißen.
AZ: Auf Ihrem
Brandner-Plakat spricht Franz Josef Strauß vom
Himmel herab.
STÜCKL: Das war die
Idee von unserem Grafiker.
AZ: Und, sind Sie
sicher, dass der Strauß drin ist, im bayerischen
Himmi?
STÜCKL: Die Gnade
des Herrn ist größer, als wir sie uns vorstellen
können. Wahrscheinlich wird er ihn auch genommen
ham.
Interview: Tina
Angerer
Der
Brandner Kaspar wird am Samstag zum 200. Mal im
Volkstheater aufgeführt. Ein kleines Glossar zum
Stück von Kurt Willhelm.
- Boandlkramer,
auch Boandl:
Standesgemäß ist er
"zaundürr und klappert", also chronisch unterernährt
und "bleich und hohlaugert", mangels Durchblutung.
Sein einziger Begleiter ist sein Karren-Ross, mit
dem er seine Fuhren absolviert. Das ist also eine
Art transzendental reisender Pegasus, vom Boandl
wird es aber auch "Krampn" genannt. Dem Boandl ist
stets kalt, seine Dienstkleidung ist stark
mitgenommen. Angeblich, so behauptet ein Preiß, sei
sein Kollege im Nordabschnitt, Gevatter Hein,
wesentlich gepflegter. In Bayern hält man das für
ein Gerücht.
- Brandner, Kaspar:
Der Wilderer,
Witwer, Opa, Schnapstrinker und Kartenspieler ist
ein mutiger Mann mit Hang zur Schlitzohrigkeit und
einer langen Liste von mehr oder weniger schlimmen
Vergehen. Er verdankt seine Erlösung zwei Dingen:
Der bayerischen Sündenausnahmeregel "Wuidern guit
ned" und dem Humor der Dreifaltigkeit nebst Maria,
die sich für die Erheiterung durch Kaspar mit dem
Paradies revanchieren.
- Kerschgeist,
hinterkünftiger:
Zur äußerlichen
Anwendung eignet er sich leidlich, besser zur
inneren. Bei den Menschen hilft er gegen Schwindel,
schlechte Karten und Todesangst. Den Boandlkramer
macht er betrunken. Er friert dann zwar nicht mehr,
dafür zockt er fahrlässig. Weswegen der Boandl dem
Kerschgeist im Nachhinein das Attribut
"hinterkünftig" beifügt.
- Grasober, der:
Beim Schafkopfen
eigentlich nur die Nummer zwei, kommt er hier zur
größter Geltung, die ein Grasober je erreichen kann.
Er verdinglicht quasi das Bayerisch-anarchische,
dass sich sogar über das Schicksalsbuch und
jeglichen himmlischen Plan hinwegsetzt. Da der Ober
sich am Ende der Schnapsorgie (siehe Kerschgeist)
auf wundersame Weise im Brandnerschen Stapel
befindet, gerät die göttliche Ordnung aus den Fugen.
Wäre er im anderen Stapel, wäre das Stück recht
schnell aus.
- Himmi,
boarischer:
Wir sehen zwar nur
die Pforte des zweifellos prächtigen Paradieses,
aber offenbar ist der Himmel föderal strukturiert.
Wie genau der Preißnhimmi ausschaut, ist zwar nicht
überliefert. Klar ist aber, dass in den unsrigen,
den Bayernhimmi, niemals nicht ein Preiß rein darf.
Petrus: "Sonst
wärs
ja koa Paradies mehr."
Brandner in Zahlen
- In 200
ausverkauften Vorstellungen seit dem 7. April 2005
sahen im Volkstheater 119 000 Menschen das Stück.
- Der Brandner
Kaspar hatte aber noch mehr Zuschauer: 1800 sahen
ihn in Rio de Janeiro (2006), 8070 in Oberammergau
(2008 und 2009), 1080 in Bozen (2009) und 3413 in
Riedering (2007).
- Am ersten Tag des
Vorverkaufs kann es sein, daß 150 Menschen für
Karten anstehen, bevor die Tageskasse um 11 Uhr
öffnet.
- Pro Vorstellung
werden 14 Weißwürscht gegessen, das macht insgesamt
2800.
- Für das Gastspiel
in Rio wurde ein eigenes Modell des Zuckerhuts
gebaut, das dann statt einem Oberammergau-Modell auf
der Bühne verwendet wurde.
- Für Maximilian
Brückner mussten schon 5 Mal Schal und Zylinder
reproduziert werden, da das Material aus
Seidenbrokat mit einem speziellen Mittel bearbeitet
wird und den Stoff dadurch brüchig werden lässt.
Brückner verbrauchte 3 Anzüge und 2 Hosen. Ansonsten
ist die Requisite hauptsächlich mit Auffedern der
Engelsflügel beschäftigt.
Abendzeitung
München, 9. Dezember 2010
200
mal Rumboandln und Tischhupfa ....
Irgendwie
ist
es zerscht an mia vorbeiganga, daß am 11.
Dezember 2010 die 200. Vorstellung vom
Brandner Kaspar anstehen tät. Aba dann war
ziemlich lang no oa oazinge Kartn frei - i
hob länga drüber nochdenkt ob i de wirklich
brauch. Aber dann hots mi doch packt, und i
hobs packt.
Oiso war i dann hinten bei der Technik (de a
ganz entspannte Vorstellung g'habt ham) und
des ganze Theater vor mir ausgebreitet, blos
de Bühne war scho ganz schee weit weg. Von
do hots scho arg kloa ausgschaut. Foit ma
sunst gar ned so auf. Aba g'hört ma ois
guat.
Jedenfalls ist vorher der Christian Stückl
vorn Vorhang getreten und hot versuacht, so
was wia a Einleitung zum Abend zum geben. De
Idee war gut, nur die Umsetzung is a wenig
schwierig worn, weil durch die Gucklecher im
Vorhang dauend jemand durche glangt hot und
eahm wira Karniggl von oaner Seitn zur
andern gscheicht hot. Und dann hams versucht
eahm mit Musik von der Bühne zum spuin. Er
hod erzeiht, daß wia Dieter Dorn den
Brandner ausm Spielplan vom Residenztheater
gnommen hod, ein Protestgeschrei durch
München ganga ist, aba er sich ned vom Dorn
sein Spielplan bestimmen lassen woit. Aber
nach ana Zeit hot er zusammen mit den
Riederingern und dem Maxi Brückner dann hoit
doch beschlossen, den Brandner zum macha,
aba hoit ganz anders.
Er hot gsagt, daß normalerweise im
Volkstheater ein Stück nach 56 Vorstellungen
und ungefähr 30 000 Besuchern abgespielt
ist, und dann aus dem Spielplan genommen
wird. Beim Brandner habm sie sich schon bei
der 100. Vorstellung im April 2007
mordsmäßig g'freit, und jetzt sands schon
200. Und damit hot er nochmals auf die
anschließende Feier samt Bierausschank im
Foyer hingewiesen und verschwand dann auf
seinem Platz am Rand von der 3. Reihe.
Die Aufführung hot jetzt keine
Jubiläumsbesonderheiten ghabt, nur der
Erzengel Michael hat sich dieses Moi nach
seinem besonderen Spezl ausm
Taubenzüchterverein erkundigt. Und am Schluß
hots dann noch oan von de berühmten
Brückner-Sprünge geben, mit dem er dann an
Christian Stückl zum Verbeugen mit auf die
Bühne zogn hot.
Nach der Vorstellung standen im Foyer schon
ein paar Biergartengarnituren, aba i woit
einfach nimmer sitzen. Stehtisch hots
gottseidank a geben. So ungefähr 200 Leut'
sind dageblieben, und natürlich die
Mitwirkenden und anderen Beteiligten. Die
Riederinger sand Ständchen spielend aus dem
Zuschauerraum kemma (ned in de Lederhosen,
sondern in der trachtlerischen Winterversion
mit langen Stoffhosen). Bis dann der Maxi
und der Schmid Hubert kemmma san hods no
dauert, de hamm ja erst die ganze Farb aus
eanane Gesichtern bringa miassen. Leider
wuchert beim Maxi der Gesichtspelz wieder
ganz heftig - ma sieht eahm ja kaum mehr vor
lauter Haar …. aba bei dene Augn ….
Bier gabs ned in Maßkrügen, sondern in
Flaschen (auf Wunsch auch mit Halbekrügerl).
Seltsame Markn aus Erding, aber is scho
gangga. Zum Raucha san zerscht olle ganz
brav vor de Tür naus in de Saukeitn,
irgendwann is der Windfang dazukemma.
Christian Stückl hot für sich as Rauchverbot
im Foyer da scho lang aufg'hebt ghabt, und
irgendwann wia de Leut dann weniger worn
warn, ham dann olle im Foyer graucht. Der
ebenfalls anwesende AZ-Kolumnist Michael
Graeter hod lang versuacht, den Stückl
rauchend aufs Photo zum kriegn, aba der
raucht hoit so schnei, daß des fast den
ganzen Abend gebraucht hat.
I hob mi so durchgratscht, mit Leit vom
Theater, von dene oaner gmoant hot, daß da
Maxi mit dera Roin oid wern konn, und des
Stück woi erst dann ausm Spuiplan kummt
wenns des erste Moi ned ausverkauft sein
soitat, worauf dann jemand g'antwortet hot,
daß sich dann sicher Freiwillige finden
würden zum Plätzeauffüllen ; mit so
ziemlich olle Riederinger, ich bin do jetzad
guad informiert, so zum Beispui, daß sie
sich scho wieda auf an "Peer Gynt" g'frein -
der ist ned abgesetzt, sondern zerscht
zwengs anderweitigen Verpflichtungen der
Schauspieler und jetziger Schwangerschaft
der Hauptdarstellerin nur ausgesetzt. Sie
warn scho erstaunt, wia i zuagem hob, daß i
zerscht an Peer angschaut hob, und erst
hinterher an Brandner, da warat i
wahrscheinlich oane von de ganz wenigen. Oda
daß Leit zwengs eahna in an Brandner genga.
Olle von dene so schrecklich nett, daß mas
kam glam konn …
Der Schmid Hubert hot ja schon amoi in einer
Version der Dreigroschenoper mitgespielt,
aber dieses Moi woit er ned, weil er ja
schon in zwoa Produktionen ist, und es
zeitlich einfach ned nausganga war.
Oder dann mit Micha Acher, dem immer noch
knielädiertem krückebewehrten 1. Trompeter
und Arrangeur der Musik der kommenden
"Dreigroschenoper", der erzählt hat, daß es
da das erste Mal einen Orchestergraben im
Volkstheater gibt, anstelle von 1. und 2.
Reihe.
Irgendwann wann dann nur noch ein harter
Kern da, vor allem aus Riedering (dem ham ja
scho auf der Wiesn Sitzfleisch bewiesen),
und unter Aufsicht vom Pressesprecher des
Volkstheaters und vormaligem Jesus. So uma
drei Uhr morgens hod sich die fröhliche
Runde aufgelöst, weil die Riederinger gmerkt
ham, daß ihre Instrumente im Garderobentrakt
eingsperrt worn warn, und nur noch übern
Bühneneingang wieder zum kriegn warn. Aba so
uma viere war dann wirklich Schluß.
So lang war i scho lang nimma im Theater wia
de Nacht .... a ja, a Kamera hob i des Moi
glei gar ned mitgnumma.
©
EFi, 12. Dezember 2010
|
Münchner
Volkstheater:
"Den
'Brandner' mach i net"
Ob auch das
aufgesetzt war? Wir wissen es nicht. Selbst
Christian Stückl konnte, zumindest nach jetzigem
Kenntnisstand, damals nicht erahnen, wie erfolgreich
seine Inszenierung des "Brandner Kaspar" werden
würde, als sie am 7. April 2005 im Münchner
Volkstheater Premiere feierte.

Photo:
Falke
(Aber das Photo ist nicht vom 11.12.10,
denn momentan trägt der Brückner Max und
damit auch der Boandl Gesichtspelz.)
|
Am Samstag lief
die 200. Vorstellung in seinem Haus an der
Brienner Straße - und natürlich war diese
ausverkauft wie die 199 davor.
Bislang haben also 119 000 Menschen das
Stück mit Maximilian Brückner als
Boandlkramer und Alexander Duda als
schlitzohrigem Brandner, der den Tod um 18
weitere Lebensjahre bescheißt, in München
gesehen. Dazu kommen Gastspiele in Riedering
(3413 Zuschauer), in Oberammergau (8070
Zuschauer), in Bozen (1080 Zuschauer) sowie
in Rio de Janeiro (1800 Zuschauer). Und: Ein
Ende des Erfolgs ist nicht abzusehen.
Dabei hatte es gedauert, bis Stückl Gefallen
an dem Stoff fand. Als er im Jahr 2002
Intendant am Volkstheater wurde, habe gerade
Dieter Dorn, sein Kollege vom Bayerischen
Staatsschauspiel, den "Brandner" vom
Spielplan genommen. Mehr als 1000 Mal seit
ihrer Premiere 1975 war die
Kult-Inszenierung von Kurt Wilhelm mit Toni
Berger als dem dem Kerschgeist zugeneigten
Boandl bis dato im Münchner Residenztheater
zu sehen gewesen. Nach Dorns Entscheidung
sei der Aufschrei "Der 'Brandner' darf nicht
sterben" durch die Stadt gegangen, erzählt
Stückl. Dorn sei irgendwann sauer geworden
und habe gesagt: "Dann soll ihn der
Stückl machen, da passt er auch hin."
Worauf der Volkstheater-Chef zum Telefon
griff: "Herr Dorn, meinen Spielplan mach
i - und den 'Brandner' mach i net."
Drei Jahre später kam der Regisseur im
Gespräch mit Schauspieler Maximilian
Brückner zu dem Entschluss: "Jetzt mach'
man doch. So bled wie möglich." Kurt
Wilhelm, ein Ururgroßneffe des
"Brandner"-Vaters Franz Ritter von Kobell
(1803-1882) sei daraufhin so nervös
geworden, dass er bei den Proben dabei sein
wollte. "Kommt nicht infrage",
entschied Stückl. Kurt Wilhelms Bruder
wollte die Musik für die Neu-Inszenierung
schreiben. "Kommt nicht infrage",
entschied Stückl nochmals. |
Der
Erfolg sollte ihm Recht geben: Auch in der 200.
Vorstellung ist seine kernig-komische Inszenierung
quicklebendig. Sie ist ein virtuoses Spiel mit
Kitsch und Klischees, ein krachender Lobpreis auf
das Leben im Allgemeinen und das Leben in Bayern im
Besonderen. Und wenn im Volkstheater Karten für die
Vorstellungen in den Vorverkauf kommen, kann es
sein, dass das Kassenpersonal bis zu 150 wartende
Menschen im Foyer zählt, bevor die Tageskasse um elf
Uhr öffnet. So bleibt nur, der Inszenierung mit
lachendem Herzen zu gratulieren - und ihr das "ewig'
Leben" zu wünschen. Oder zumindest 200 weitere
ausverkaufte Vorstellungen. Minimum.
Michael Schleicher,
Münchner Merkur, 12. Dezember
2010
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Schnaps mit dem Tod |

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Das
Volkstheater
feiert die 200. Vorstellung des 'Brandner Kaspar'
Fast hätte es den
'Brandner Kaspar' im Volkstheater nie gegeben. Wenn
es nach Intendant Christian Stückl gegangen wäre,
stünde statt des bayerischen Märchens die preußische
'Dreigroschenoper' auf dem Spielplan. Doch er bekam
die Rechte nicht, die Musik mit anderen Instrumenten
zu adaptieren, und nahm schließlich doch den
Vorschlag Dieter Dorns an, den er zunächst trotzig
abgelehnt hatte, weil er sich nicht sein Programm
diktieren lassen wollte. Dorn setzte den 'Brandner
Kaspar' im Residenztheater nach über tausend
Vorstellungen ab, als es Proteste gab, sagte er:
"Soll's doch der Stückl im Volkstheater machen, da
passt's hin."
Und dann machte es der Stückl doch ("Dann mach
mers halt. Aber so bled wie möglich.") und es
passte. Die Inszenierung ist ein Riesenerfolg, so
gut wie immer ausverkauft, und am Samstag wurde die
200. Vorstellung gefeiert. Rund 120000 Zuschauer
haben bisher gesehen, wie Alexander Duda als
Brandner den Maximilian Brückner als Boandlkramer
überlistet, darunter auch 1800 Brasilianer, als die
Inszenierung auf Gastspiel nach Rio de Janeiro
reiste.
Zur Jubiläumsvorstellung hatte sich der Großteil des
Publikums ordentlich aufgedirndlt - Festtagstracht
mit Hut beherrschte den Zuschauerraum, und da einige
Burschen auch ihre Halbe mit in den Zuschauerraum
nahmen, herrschte Volksfeststimmung im Volkstheater.
Große Überraschungen erlaubte sich das Ensemble
nicht, aber das braucht das Stück auch nicht mehr.
Nur der Erzengel Michael (Hubert Schmid) gestattete
sich ein kleines Extempore und nannte den Heiligen
Geist seinen Spezl 'aus dem Taubenzuchtverein'. Da
konnten sich auch die halbnackerten Engelscharen,
gespielt von den Riederinger Musikanten, mit dem
Kichern nicht zurückhalten.
Regisseur Stückl war zufrieden mit der 200., mahnte
nur an, dass man die Schauspieler ab und zu erinnern
müsse, sprachlich nichts zu verschleifen. Ob auch
das Volkstheater noch die Tausendste feiern wird?
Maxi Brückner, der sein Kostüm nach der Vorstellung
gegen eine Lederhose mit gesticktem Monogramm auf
dem Quersattel eintauschte, ächzte bei dem Gedanken:
"Bis dahin bin ich aber zu alt, um aus dem Stand
auf den Tisch zu springen."
Judith Liere, Süddeutsche Zeitung, 13.
Dezember 2010
Soweit so gut, nur daß Maxi an dem Abend eine lange
dunke Stoffhose zu den besprochenen Hosenträgern
trug.
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... Weiterhin auf dem Programm
steht die erfolgreichste Inszenierung in der Geschichte des
Volkstheaters. "Der Brandner Kaspar", den nach Christian
Stückls Angaben bei bisher 238 Vorstellungen mehr als
150.000 Menschen gesehen haben, geht in seine sechste
Spielzeit. "Er wird wohl einmal pro Monat auf dem
Spielplan stehen", sagte er heute bei der Vorstellung
des Spielplans 2012/13 in München. ...
dapd, 14. September 2012
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